Thursday, May 19, 2016

Klarheit

Vergangenes Wochenende habe ich quasi durchgeschuftet. Ich habe einen wichtigen deutschen Kunden und der wollte Anfang der Woche Ergebnisse sehen und wollte diese per Videokonferenz diskutieren.

Also hab ich die Kinder schoen vernachlaessigt und rund um die Uhr alles fertig gemacht. Nach 3 Stunden Schlaf in der Nacht zu Montag war dann auch alles fertig und ich rufe den Kunden an.

Keine Antwort - nicht mal die Rezeption war zu erreichen. Bis ich dann irgendwann merke, in D ist ja Feiertag.

...
...

Kinder umsonst vernachlaessigt... Kommt davon, wenn man Termine nicht genau abstimmt.

Was mache ich also mit dem angebrochenen Tag? Zur Auswahl stehen:

  • Waesche waschen (ein sehr verlaesslicher Freund auf meinen ToDo-Listen)
  • Staubsaugen (ebenfalls ein treuer Weggefaehrte)
  • Bad oder besser Baeder putzen. Mann, hab ich viele Freunde...
  • Rasen maehen. Ein weniger verlaesslicher Freund, kommt immer im Fruehling und geht im Spaetherbst. Im Fruehling ist er aber sehr aufdringlich
  • Hecken schneiden. Der beste Freund vom Rasenmaehen.
  • um nur die wichtigsten Dinge aufzuzaehlen...
Ich entscheide mich dafuer, ans Meer zu fahren. Ein wenig Zeit fuer mich waere mal schoen.

Wetter war nicht schlecht, eine relativ forscheBriese, aber nicht zu kalt und Sonne pur. Also los zu meinem Lieblingsdoerfchen mit den tollen Felsenaustern. Zur Zeit 1 Pfund pro Auster - also erstmal ein Dutzend verputzt.

Und dann auf einem Felsen am Strand gesessen, fast den ganzen Tag. Heute pellt sich schon die Haut vom Sonnenbrand aber danach bin ich immer prima braun. Hab die Sonne bei dem Wind ueberhaupt nicht gemerkt...

Und nachgedacht - den ganzen Tag. Das war gut, jetzt weiss ich, was ich will, jetzt hab ich Klarheit.

Mit der Arbeit und den Kids geht es so nicht weiter, also beschliesse ich, von nun an einen Tag die Woche frei zu nehmen und am Wochenende gar nicht mehr zu arbeiten, ausser im allergroessten Notfall. Schliesslich hab  ich jetzt 2 Angestellte und das muss doch irgendwie funktionieren. Und wenn es dann etwas weniger Geld gibt, ich hab ja jetzt einen Puffer dank meines Vaters.

Die Kinder gehen einfach vor und ich merke in letzter Zeit, dass mir vieles durch die Lappen geht. Also maximal 8 Stunden am Tag fuer 4 Tage die Woche. Das gibt genug Zeit, wieder fast voll fuer die Kids da zu sein. Tagsueber sind sie in der Schule und im Kindergarten, nachmittags und frueher abend habe ich Zeit fuer sie und abends kann ich ja dann noch 1, 2 Stunden arbeiten, ohne mich jedesmal an den Rand der Erschoepfung zu bringen.

Dann komme ich zu Thema 2: Angel und meine zukuenftige Vaterschaft. Schon eine ganze Weile behagt mir die Beziehnung nicht mehr. Es war einfach zu frueh, als dass ich ganz loslassen koennte. SIE schwebt immer noch allgegenwaertig ueber uns. Angel will mehr als ich ihr geben kann - verstaendlich - aber so eine Situation hat sie nicht verdient. Und die Schwangerschaft - ob nun versehentlich oder nicht - aber sie haette es mit einfach fruher mitteilen muessen. Anfang Mai hab ich es erfahren und sie weiss es seit Ende Januar.

Nein, ich bin kein Freund von Abtreibung - ganz im Gegenteil. Wenn man viele Kinder hat, kann man gar nicht dafuer sein, wenn man sieht, wie jedes einzelne Kind so besonders und so toll ist. Aber ich bin schon der Meinung, dass ich als werdender Vater frueher hatte einbezogen werden sollen - das hat viel kaputt gemacht.

Ich werde mich also von ihr trennen - das ist das beste fuer alle Beteiligten. Auch fuer mein Rudel. Wenn die sich zu stark an sie gewoehnen, verlieren Sie irgendwann doch wieder einen geliebten Menschen. Weil dauerhaft wuerde das mit Angel nie werden. Der Altersunterschied ist sowieso zu gross und es gibt zu viele verschiedene Ansichten.

Einfach wird das nicht, mit dem ungeborenen Kind. Hier fehlt mir leider noch die Klarheit. Natuerlich freue ich mich auf jedes Kind - aber das wird schwierig. Es ist keine Perspektive da...

Trotzdem, es herrscht Aufbruchsstimmung bei mir und die Kinder haben es gleich abends gemerkt. Die beiden wichtigen Entscheidungen haben mir eine Last vom Herzen genommen und die Kinder waren sofort von meiner Ausgelassenheit angesteckt. Ich denke, es war richtig, mal eine kleine Auszeit zu nehmen und ein paar Dinge zu sortieren.

Ich weiss - ist ein seltsamer Post heute - aber mir war nach Mitteilung...

Thursday, May 12, 2016

Feuer & Social Services

So - die Sendepause ist vorbei. Jetzt kommen wieder regelmaessig mehr Updates. Es war viel los - hier eine kurze Zusammenfassung.
  • Hab jetzt die "Social Services" auf dem Hals - darueber schreibe ich gleich unten mehr.
  • Wir waren in Suedafrika im Urlaub - half-term. Da kommt bestimmt demnaechst ein Artikel drueber. War aber richtig schoen - mit echter Safari und so...
  • Die ersten Fotoshootings mit den Maedels sind durch. Der erste Fotograf ist verbraucht. Neuer Fotograf: ich. Das verdient einen Artikel in Kuerze.
  • Meine Arbeit ist so ausgeufert, dass ich zu GAR NICHTS MEHR gekommen bin und die Kids sich irgendwann massiv beschwert haben. Deswegen habe ich jetzt schweren Herzens (Weil: gibt immer nur Probleme) zwei Vollzeit-Werbespezis angestellt. Das hat zwar Anfangs noch mehr Arbeit gekostet, jetzt aber zahlt es sich aus und ich arbeite NUR NOCH 10 Stunden am Tag.
Und jetzt kommt's...
  • Ich werde wieder Vater. Ich bin sowas von stinksauer. Artikel kommt, wenn ich mich wieder ein wenig beruhigt habe.
Zu den Social Services.

Seit ein paar Wochen ist meine Kettensaegenwunde wieder soweit verheilt, dass ich wieder das Laufen angefangen habe. Ausloeser war mal wieder Nummer 1...

"Papa, Du solltest Dir mal wieder eine neue Hose kaufen"... meinte sie.
"Warum?" frage ich ganz ahnungslos.
"Weil's ueber der Hose rausquillt!" sprudelt Sie los, sich freuend, dass ich in die Falle getappt bin. Und Nummer 1 bis 4 lachen schallend los. Klar hat sie das gerade dann erwaehnt, als wir schoen saftige, vor Fett triefende, frisch gegrillte marinierte Schweineribs gegessen haben.

Die Wunde tat zwar Anfangs noch hoellisch weh beim Joggen und ein paar Stellen sind wieder aufgerissen aber die 8 Kilo, die ich zugelegt hatte, sind fast schon wieder weg.

Inzwischen schaffe ich auch wieder 10 Kilometer in knapp unter einer Stunde und Nummer 1 & 2 halten brav mit. Nummer 3 kommt die kuerzeren Runden bis 5 Kilometer mit und wenn wir mal eine lockere Runde machen, kommt auch Nummer 4 mit. Mit seinen 5 Jahren schafft er durchaus 5 Kilometer, aber eben nicht in einer schweisstreibenden Zeit.

Letzte Woche dann 10 Kilometer mit Nummer 1 und 2. Die anderen Kids lassen wir alleine zuhause, das klappt eigentlich hervorragend.

Eigentlich...

Nummer 5 hat naemlich ploetzlich Hunger bekommen. Und Nummer 3 meinte, er muesse jetzt Pancakes machen, das liebt Nummer 5 so sehr. Und als kleinster der 3 mittleren Jungs bekommt er meistens, was er will. Das ist so wie eine kleine Gang in der Familie, die 3 Jungs...

Die Pfannkuchen hat er auch hingekriegt. Aber danach hat er den Herd nicht ausgemacht. Und wir tun immer schoen viel Oel in die Pfanne, damit die Pancakes auch gleichmaessig braun werden.

Und viel Oel in der Pfanne und nicht ausgeschalteter Gasherd? Das ergibt ein schoenes Lagerfeuer mitten in der Wohnung.

Aber es ist ja nicht so, dass wir auf sowas nicht vorbereitet waeren. Bei uns gibt es Rauchmelder und CO Melder, Feuerdecke und Feuerloescher. Und trainiert sind die Kids auf alle moeglichen Umstaende. Rauchmelder geht los, Nummer 3 nimmt also die Feuerdecke und wirft sie ueber die Pfanne.

So weit so gut. Nur ist der kleine Kerl ja so furchtbar neugierig und moechte sofort nachschauen, ob das Feuer unter der Decke schon aus ist.

War es aber nicht und dummerweise hat er die Pfanne mit dem brennenden Oel vom Herd gezogen. Wo nun schoen die Dielen gebrannt haben. Das war ihm dann doch ein wenig zu heikel und er hat brav wie gelernt Nummer 4 bis 7 in den Garten evakuiert, die Feuerwehr angerufen und sich dann den Feuerloescher geschnappt.

Dummerweise den falschen...

Jetzt nicht wirklich so falsch, weil einen richtig falschen haben wir nicht. Aber er haette bitte bitte bitte zuerst den CO2-Loescher nehmen sollen. Hat er aber nicht, sondern er hat den Pulverloescher genommern.

Der hat zwar den Zweck auch erfuellt, aber wer schon mal einen Pulverloescher im Einsatz gesehen hat, der weiss, wie danach die Wohnung aussieht. Das Zeug ist ueberall, wirklich ueberall...

Kueche und Esszimmer sind inzwischen komplett renoviert und wieder einsatzbereit - das nur mal so nebenbei...

Leider kam dann die Feuerwehr schneller als Nummer 1 und 2 und ich nach Hause. Und obwohl die keinen Handlungsbedarf mehr sahen, merkten sie sehr wohl, dass das aelteste anwesende Familienmitglied gerade mal 6 Jahre alt war.

Und die Bemerkung von Nummer 3, dass das doch ok sei, dass waere bei uns oefter so, hat auch nicht geholfen und so hat die Feuerwehr die Social Services informiert, die dann auch brav gleich 2 Mitarbeiter entsandt haben.

Nun bin ich dummerweise ueberaus empfindlich, was externes Einmischen in meine Familie betrifft. Was sich dadurch zeigte, dass ich die zwei Damen nach den ersten Belehrungen "Kinder unter 14 Jahren darf man auf keinen Fall alleine in der Wohnung lassen" hochkant hinauswarf.

Unter 14 Jahren? In was fuer einer Welt leben die denn? Oder sind die Kinder heutzutage so unselbstaendig?

Wie auch immer - das gab dann dummerweise eine gerichtliche Anordnung, dass ich die Damen zu empfangen habe, wann immer diese das fuer richtig halten.

Diese Anordnung hat mein Anwalt binnen eines Tages durch die naechste Instanz verhindert.

Daraufhin kamen die Damen aber trotzdem, weswegen ich mit einer einstweiligen Verfuegung die Social Services gestoppt habe.

Die naechste gerichtliche Anordnung liess nicht lange auf sich warten - diesmal so formuliert, dass sie nicht angreifbar war.

Das waere sicherlich noch eine Weile so weitergegangen. Gluecklicherweise haben wir aber in der Nachbarschaft einen MP wohnen, dem ich schonmal geholfen habe, seinen Garten auszumisten. Der hat dann die ganze Sache insoweit beruhigt, dass wir nur ein Gespraech mit den Social Services hatten, unter Fuehrung eines Mediators, der danach noch kurz laenger blieb und mir zu meiner wohlorganisierten Familie gratuliert hat...

Ich weiss, ich war im Unrecht. Klar hat das Ereignis gezeigt, dass Kids mit 6 Jahren noch nicht einen Haushalt managen koennen. Aber es geht anders nicht bei uns. Wenn ich mit den Maedels joggen moechte - und das geniessen die so sehr - kann ich nicht jedesmal einen Babysitter anheuern. Und es gibt genug andere Anlaesse, bei denen die einen oder anderen Kids mal eine Weile alleine sind bei uns.

Und auch, wenn unser Leben manchmal chaotisch anmutet, haben wir doch alles recht gut im Griff.

Und trotz allem bin ich super stolz auf meinen kleinen Nummer 3, dass er das Unglueck ganz alleine in den Griff bekommen hat!

Sunday, March 13, 2016

Just bread

Wenn ich auch vieles mag an England - eines aber doch nicht: das englische Brot.

Und da wir ja sowieso alles selber machen, backen wir natuerlich auch unser eigenes Brot. Seit Januar ganz professionell, denn ich habe uns einen "commercial convection oven" gekauft. Unsere Kueche sieht eh schon fast aus wie eine Restaurantkueche, da kommt es auf den Ofen auch nicht mehr an - Platz haben wir zum Glueck genug.

In den Ofen bringe ich jetzt 12 ein-Kilo-Brote auf einmal rein - und da bei uns locker 1-2 Brote am Tag verschlungen werden, kann ich nun endlich einen Wochenvorrat auf einmal backen.

Die Kinder fanden den Ofen anfangs auch toll, bis ihnen bewusst wurde, dass wir natuerlich auch das Brotbacken in teamwork machen. Und da ich ein Verfechter von handgeknetetem Teig bin, kneten jetzt Nummer 1-4 regelmaessig mit mir zusammen am Samstagmorgen Brotteig.

Nummer 5 und 6 ueberwachen das ganze und stehen hilfreich im Weg und spielen im Mehl. Nummer 7 kann nun schon fast alleine laufen - haelt sich aber an allem fest und zieht somit doch immer wieder einiges vom Tisch runter.

Also optimale Bedingungen fuer perfektes Brot. Mal davon abgesehen, dass man solches Brot, wie wir es backen, maximal in Spezialbaeckereien in London bekommt, spart man mit selber gebackenem Brot eine Menge Geld. Da ich Mehl direkt bei der Getreidemuehle in 20 kg Saecken kaufe und den Rest der Zutaen im Grossmarkt, kostet mich ein Laib Brot (ca. 1 kg) inkl. Energie nicht einmal 50 Pence - eher noch deutlich drunter. Bei 10-12 Laib Brot pro Woche sparen wir da rund 30 Pfund, wuerde ich sagen.

Mal davon abgesehen, dass es fantastisch schmeckt. Wir backen so, dass wir die ganze Woche gutes Brot haben ohne viel einzufrieren (nur wenn was uebrigbleibt, wandert das fuer ein paar Tage in den Freezer). Fuer den ersten Tag gibt es z.B. Baguette oder Ciabatta, manchmal auch Brezeln. Fuer den zweiten Tag machen wir ein schoenes Weissbrot, oder Bagels oder auch mal ein "fettes Brot" wie wir sagen - sowas wie Brioche z.B. Der 3. und 4. Tag ist perfekt fuer ein schoenes Zwiebelbrot oder auch ein Roggenmischbrot. Am 5. Tag kann man noch wunderbar ein reines Roggenbrot essen und am 6. oder 7. Tag ist Pumpernickel immer noch prima zu geniessen. Hach - Roggenbrot mit selber geraeuchertem Lachs. Das ist einfach nicht zu ueberbieten...

Wir fangen schon am Donnerstag an, den einen oder anderen Sauerteig zu aktivieren (habe immer 2 Weizensauerteige und einen Roggensauerteig da). Am Freitag werden die diversen Starter gemacht - das gibt dann reichlich Geschmack fuer die Brote, wenn man zwei Tage vorher fermentiert. Auch am Freitag machen wir z.B. schon die Brezeln soweit fertig, dass sie nur noch im Kuehlschrank gehen muessen und dann gleich Samstagmorgens als erstes gebacken werden.

Und dann sind die Kinder auch schon wieder versoehnt mit mir, wenn sie zwischen dem Teigkneten, Zwiebeln schneiden, Brot-Bannetons vorbereiten ganz frische, noch warme Brezeln mit Butter bekommen, dazu ein riesen Glas Milch - so kann der Samstag beginnen...

Nun backen wir aber nicht nur fuer uns, sondern inzwischen auch fuer etliche Nachbarn. Deswegen kommen wir inzwischen lange nicht mehr mit einer Ladung Ofen aus, sondern sind inzwischen bei 3 Ofenladungen pro Samstag angekommen. Das bedeutet also, dass wir an einem Samstagvormittag doch so rund 30-40 Brote backen.

Das mir den Nachbarn kam durch die Eier, die wir verkaufen. Zur Zeit legen unsere Huehner schon rund 3 Dutzend Eier am Tag und die holen sich die Leute immer Samstags bei uns ab. 6 organic eggs fuer 1 Pfund - und die Eier schmecken einfach viel besser als die aus dem Supermarkt - das haben die Leute hier zu schaetzen gelernt. Und weil es dann immer so lecker nach frischem Brot riecht, haben halt immer mehr Leute nachgefragt und somit verkaufen wir nun auch Brot. 3 Pfund fuer ein 1 kg Brot und 5 Pfund fuer ein 2 kg Brot. Ist immer noch spottbillig - in London wuerde man fuer die Qualitaet locker das doppelte zahlen.

Aber die Kids sind stolz, dass "ihre" Brote so guten Absatz finden und die Kinder lernen was fuer's Leben. Und wenn wir mal ganz ordinaere deutsche Broetchen machen (wir machen aber die aus dem Osten), dann gibt es schonmal einen Wettbewerb, wer beidhaendig (also mit jeder Hand eins) die meisten Broetchen rollen kann...

Schwiegermama ist auch ganz begeistert - besonders von den Brezeln. Sie ist zur Zeit wieder da fuer eine Woche - nur so komme ich auch an einem Sonntagnachmittag zum schreiben. Und manchmal komme ich sogar zu mehr als 4 Stunden Schlaf pro Nacht! Sie ist eine echte Hilfe.
Ohne meine Schweigermutter haette ich das letzte Jahr und besonders die Anfangszeit nicht ueberstanden. Anfangs war sie fast jede 2. Woche da - inzwischen noch rund einmal im Monat. Und Sie ist eine fantastische Schwiegermama! Nicht so, wie meine erste - die den Begriff "boese alte Hexe" gepraegt hat. Nein, sie ist zwar einerseits eine typische spanische Mama und kuemmert sich um alles, kann andererseits aber auch den Mund halten und mischt sich nicht ein, wenn es nicht gewuenscht ist.

Nur die Kommunikation ist ein wenig schwierig, wenn sie da ist - allerdings nur fuer mich. Alle plappern dann munter auf spanisch und ich muss sehen, wo ich bleibe. Mein Spanisch ist nicht das allerbeste - und wenn ich auch noch viel verstehen, ist es dafuer aber umso schwieriger mit dem sprechen. Ich bekomm dann oft ein vorwurfsvolles "Papaaa" zu hoehren. Die haben's ja einfach, die koennen Englisch, Deutsch, Spanisch und Afrikaans perfekt.

Wednesday, March 2, 2016

Pestbeulen

Nichts mehr zu essen da - kein Bier mehr.

Nummer 1 und 3 und 4 haben die Pest. Schlimm. Die Beulen sind schon teilweise aufgeplatzt.

Nummer 6 und 7 haben die Schwindsucht. Nummer 6 kann nicht mehr laufen, Nummer 7 hat es noch nie gelernt - und wird es auch nicht mehr lernen.

Nummer 2 ist verletzt - grosse Wunde im Gesicht im Kampf um verschimmeltes Brot. Und abgemagert - wie alle. Und alle starren vor Schmutz. Hier waescht sich keiner. Nie.

Und Nummer 5? Keine Ahnung. Sieht nach Pocken aus - grassieren jetzt auch schon die Pocken?

Wir muessen trotzdem raus - nichts mehr zu essen. Ausserdem ist es nicht mehr auszuhalten in unserem "Heim": 3x5 Yards, kein Fenster, nur verschimmeltes Stroh zum schlafen. Und eine kleine Feuerstelle in der Ecke. Unser einziger Besitztum - und der wird massiv verteidigt - ist unser 2 Gallons Krug fuer das verwaesserte Bier.

Wasser ist hier in London nicht geniessbar - wer das trinkt, macht es keine 2 Tage mehr. Und so trinkt jeder - auch Kinder - Bier.

Ich bin noch gesund. Keine Ahnung warum.

Draussen schwirren Rauschwaden durch die Gassen, die Guelle fliesst im Rinnsal direkt an unserem Haus vorbei. Hier spielten die Kinder manchmal. Als Sie noch gesund waren.

Marodierende Gruppen streifen durch die Stadt - jeder hat Hunger. Jeder hat Durst. Nur der staerkste gewinnt.

Die Pestleichen werden schon lagen nicht mehr abtransportiert. Zumindest nicht hier, da wo die Armen wohnen. Und das ist ja fast ganz London.

1666 schreibt man. Hat der Priest zumindest gesagt. Das Jahr des Teufels, das Jahr der grossen Pest.

...

Ihr seht, ich schreibe wieder - munter und froehlich, dank der vielen tollen Kommentare - und Dank dem Anschiss von hobelevanc. Danke Euch allen!

Ich bin richtig gut gelaunt - es war ein sehr guter Morgen. Mit dicken Buttermilk-Pancakes. Strahlender Sonnenschein draussen - normalerweise wuerde ich jetzt ein wenig raus gehen, mein Bein trainieren. Aber ich glaube, ich bin Euch einen Post schuldig. Einen lustigen, schoenen Post, wie oben schon angefangen.

...

1666, das Jahr des Teufels - die grosse Pest in London.

Das war meine Vorgabe an Angel, als wir letztes Halloween unseren Familienausflug gemacht hatten.

Jaja, ist aus dem Zeitrahmen gefallen, der Post - aber ich hatte Lust darauf heute. Ausserdem habe ich den Post schon im Oktober versprochen.

Angel ist Maskenbildnerin fuer Film und Theater und war mir noch einen Gefallen schuldig. Und da meine Kids unbedingt zu Halloween was unternehmen wollten, dachte ich mir, ich fordere den Gefallen ein.

Hier wollten wir hin (wer sich in England auskennt, weiss, wo das ist - ganz bekannt, aber ich habe es aus ungewohnter Perspektive fotografiert):

Noch nicht erkannt? Jetzt aber:

Ja genau - dort wollten wir hin. Die haben eine ganze Woche Halloween-Event und jede Menge fuer Kids vorbereitet. auch ein Kostuem-Wettbewerb, aber das war klar, dass wir den nicht mitmachen - unfair den anderen gegenueber.

Angel kam schon morgens um 7 - ich hab komplettes englisches Fruehstueck versprochen.

Um 7 klingelt es also bei uns - und ich schau ganz verschlafen um mich. Keiner wach - kein Kind in meinem Bett, keiner quaengelt. Ich kann mich nicht mehr erinnern, wann ich in den letzten 10 Jahren bis um 7 Uhr morgens geschlafen habe. Aber ausgerechnet heute. Ich wollte fit sein fuer Angel - frisch geduscht, rasiert, deodoriert - von den 50 Jahren eben ein paar abschuetteln.

So steh ich also dann vor ihr an der Haustuer. Nur ein Handtuch um die Hueften (ich schlafe "frei"), verstrubbelte Haare, unrasiert und verschlafen.

Hat ja mal wieder prima geklappt. Angel lacht aus ganzem Herzen und kommt rein.

Ich mach nur die Kaffeemaschine an und geh erstmal ins Bad. Das zwischenzeitliche Chaos oben ignoriere ich - irgendwer wird sich schon um die Kids kuemmern.

Eine Viertelstunde spaeter - und jetzt perfekt frisch - komm ich nach oben und Angel versucht, dem Chaos Herr zu werden. Es bleibt aber beim Versuch. Ich schick sie wieder runter - sie soll sich einen Kaffee nehmen.

Wieder eine Viertelstunde spaeter sind wir alle unten und es wird Fruehstueck gemacht:
Heute haben wir Hunger und so gibt's erstmal 25 Eier in die Paellapfanne - das macht Nummer 2. Ich haue selber gemachte Wuerstchen und selbergeraeucherten Speck in die Pfanne. Nummer 1 ist fuer die Hash browns zustaendig (auch selber gemacht) und Nummer 3 macht die Bohnen (natuerlich selber gemacht - nach einen Rezept von Tom Kerridge - einfach nur genial, machen wir immer auf Vorrat). Nebenbei schnippele ich noch ein paar Pilze und hau die auch in die Pfanne.

30 Minuten spaeter geht's uns allen richtig gut - so ein gutes selber gemachtes englisches Fruehstueck toppt einfach alles. Nicht den Mist aus dem Supermarket oder den meisten Pubs - das ist meist eklig...

Angel hat einen grossen Koffer aus dem Theaterfundus mitgebracht und die Kids werden angezogen. Alte Lumpen, vor Dreck starrend. Selbst meine Kids, die einiges gewoehnt sind, schlucken erstmal schwer.

Wir machen also Geschichte lebendig. So waert Ihr damals rumgelaufen, vor ziemlich genau 350 Jahren. und Ihr haettet nicht die lange Unterwaesche drunter gehabt, die Daddy Euch heute spendiert, meint Angel. Angel weiss viel ueber englische Geschichte und erzaehlt waehrend dem Schminken von der damaligen Zeit.

Schlimm war das in London - unvorstellbar schlimm. Auch ich hab noch viel gelernt - insbesondere darueber, wie die Leute damals gehaust haben.

Die Kids bekommen erstmal eine Grundschicht Schmutz ins Gesicht und auf die Haende. Nie waschen - ein faszinierendes Konzept fuer die Kids. Ich winke ab - keine Chance!

Dann kommen die Pestbeulen, die Geschwuere, die Wunden. Am meisten fasziniert mich, wie Angel Nummer 6 und 7 schwindsuechtig macht. Trotz Schmutz blass wie der Tod, dunkle schwarze Ringe unter den Augen plus rote Raender. Ich bin kurz dafuer den Notarztwagen fuer Nummer 7 zu holen.

Die Kids schauen sich im Spiegel an - zuerst sind sie ernsthaft entsetzt. Darueber, wie schlimm es damals fuer die Menschen war. Dann sind sie begeistert ueber die Schminke. Nummer 1 und 2 bekommen noch Peruecken ueber. Kurze fransige Haare voller Asche und Dreck. Die anderen bekommen Muetzen auf.

Bin ich froh, dass wir entschieden haben, dass die Erwachsenen nicht mitmachen...

Also auf in den Bus und los geht's - Angel kommt auch mit. Den Spass laesst sie sich nicht entgehen, meint sie.

Und der Spass faengt schon auf dem Parkplatz an. Die Leute erschrecken regelrecht, wenn sie uns sehen. Und an der Kasse meint der aeltere Herr, dass er ja schon viel gesehen haette...

Zum Glueck ist prima Wetter und die Kids amuesieren sich praechtig. Der Weg zum Schloss ist toll - ein richtig schoener englischer Park und ueberall sind kleine Dinge, die die Kids machen koennen. Hauptsaechlich gruselige Dinge entdecken und Punkte sammeln fuer irgendein Spiel.

Ins Schloss selber gehen wir nicht, sondern weiter zu den Spielplaetzen, wo auch die grossen Halloween-Veranstaltungen stattfinden. Aber erstmal zum Spielplatz. Meine Kids lieben Spielplaetze und haben so ihre ganz eigene Art, wie sie einen Spielplatz "betreten".

Ich kenn das ja schon, aber Angel noch nicht - bin ja mal gespannt.

Und wir werden nicht enttauescht!. Nummer 1 schnappt sich den Kinderwagen, Nummer 2 zerrt Nummer 6 hinter sich her und alle stuermen schreiend auf den Spielplatz zu und in den Spielplatz rein.

Das ist an sich schon immer eine Show - heute aber, mit der Schminke und den Lumpen ist das der Hammer. Mit tun die anderen Kinder richtig leid - die entweder nur mit offenem Mund dastehen und kaum begreifen was passiert - oder die schreiend zu Mama rennen. Oje, das wird wieder die eine oder andere Diskussion geben...

Nicht das meine Kinder irgendwie die anderen Kinder belaestigen oder aergern - nein, sowas machen die nie, damit sind sie genug mit sich selber beschaeftigt. Aber die Wucht, mit der die 7 den Spielplatz einnehmen, ist schon faszinierend.

Natuerlich passiert wieder was - Nummer 1 ist zu uebermuetig und so kippt der Kinderwagen um und Nummer 7 purzelt raus in den Dreck. Volle 5 Sekunden absolute Stille, dann kraeht der Kleine los, aber wie.

Nummer 1 ist sehr schuldbewusst und betuttelt den Kleinen. "Niks gebeur" - also "nix passiert" ruft sie rueber - frag nicht, warum ausgerechnet in Africaans.

Spielplatz ist prima, da braucht man sich um die Kleinen nicht kuemmern. Wir gehen also ins Café nebenan - die haben hier sogar ein Café am Spielplatz. Angel und ich sitzen also da, trinken unseren Kaffee und schauen den Kids zu. Der Spielplatz ist deutlich leerer geworden - weiss gar nicht warum...

Spaeter gehen wir noch zu den anderen Veranstaltungen und schauen uns auch den Verkleidungswettbewerb an. Da haben sich einige wirklich Muehe gegeben und es sind tolle Kostueme dabei - wir nehmen trotzdem nicht teil. Wir haben Freude genug und warum sollen wir anderen die Freude verderben?

Dann gibt's erstmal Picknick - nur ein paar Brote und Salate und Saft. Aber das ist so schnell weg, das glaubt man nicht. Keine Chance, dass ich satt werde - aber es sei den Kids gegoennt.

Angel amuesiert sich praechtig und hier hat's angefangen mit uns. Dazu aber irgendwann mal mehr.

Es war ein schoener Tag und auf der Rueckfahrt schlafen fast alle.

Das war Halloween mit dem Rudel.

Sunday, February 28, 2016

Brief an die Trolls

Liebe Trolls,

Sie haben gewonnen, ich hoere auf mit dem Blog.

Ergaenzung vom 29.2.: Nein - ich hoere doch nicht auf. So viel positive Resonanz, ich war echt erstaunt! Und so viele haben gesagt, ich soll nicht aufgeben (Hab sogar einen boesen Anschiss bekommen...)! Also bald wieder mehr hier von Nummer 1 bis 7.

Ist es das, was Sie bezwecken? Nein - ich glaube nicht.

Ich denke, Trolle koennen ohne Blogs nicht leben - Sie sind die Parasiten des Internets und leben von der Schreibkunst der anderen.

Denn schreiben koennen Sie (also Sie alle Trolls aus meinem Blog) leider nicht so gut. Hier mal zwei Beispiele (Originalkopie):

"du spilst dich aber ganz schön auf mit deinen kindern. dnkst wohl du hast als einzigster leid im eben. mein alter die voze hat mich mit den 2 gören sitzen lassen das sind highneed kinder da kannst du mit deinen sieben einpacken. solzialamt und alles und du hast kohle zum abwinken. arschloch"

"Mann Alter glaubst du wirklich deine Kacke will jemand lesen? Ist doch aus den Fingern gesaugt lass es einfach bleiben. ich tu mir die Kacke schon ne ganze weile an aber ich ertrags nicht mehr"

Nein - sie, die Trolle, brauchen den Intellekt der anderen. Und den ersten Kommentar nehm ich einfach nicht ab. Wer solche Probleme hat, der schimpft nicht ueber die Probleme der anderen. Der schimpft ueber den Staat ueber den "Alten". High-Need-Kinder? Jedes Kind ist ein High-Need-Kind in meinen Augen - jedes Kind ist nur einfach anders als alle anderen Kinder.

Und da ich aufhoere mit meinem Blog, haben Sie leider doch verloren. Nichts mehr zum Aufregen - nichts spannendes mehr - weil dem zweiten Kommentator war es wohl doch nicht zu langweilig sich die Sache "eine ganze Weile" anzutun.

Verlierer! Ihr seid die Verlierer!

Aber leider ich auch. Weil: es hat sehr wehgetan. Nicht die beiden bloeden Kommentare oben. Aber es gab andere, die haben richtig schwer verletzt.

Und es hatte gutgetan, hier zu schreiben. Manchmal war es wirklich befreiend, es jemandem zu erzaehlen.

Wollen Sie das? Wollen Sie Menschen so starkt verletzten? Oder ist das eher unabsichtlich? Ein Kollateralschaden eben, um sich selber darzustellen als Richter ueber den Blog?

Denken! Einfach mal ernsthaft darueber nachdenken, was man macht.

Ja - Sie haben es bestimmt nicht einfach. Darf ich raten? Kaum oder keine sozialen Kontakte? Leben vom Sozialamt? Bude ist schon Monate nicht mehr aufgeraeumt? Geht auch schwer nach dem taeglichen Kater, der immer schlimmer wird vom billig Fusel. Lebenspartner? Fehlanzeige. Schon seit Jahren weggelaufen. Einsam und alleine? Scheisse, zugegeben. Aber kein Grund, andere Menschen zu verletzen. Hilfe suchen, dass ist angebracht. Und die gibt es in D zur genuege. Also einfach mal aufraffen. Bude aufraeumen, raus gehen, Alkohol reduzieren. Hilfe suchen.

Soweit dazu. Nun zu den vielen lieben Menschen, die auf meinem letzten Blogpost kommentiert haben und die vielen Mails, die ich privat erhalten haben.

Meinen allertiefsten und herzlichen Dank. Ich wusste ja gar nicht...

Sorry, ich bin nicht gross in Statistiken und habe es komplett unterschaetzt, wie viele Menschen inzwischen bei mir lesen. Und wie viele mir jetzt Bestaetigung und Anerkennung gegeben haben.

Ich weiss nicht, was ich weiter machen werde. Nummer 1 und 2 wissen ja, dass ich "was" ueber uns schreibe - selber lesen sie es nicht und ich soll auf "keinen Fall" etwas peinliches schreiben. Beide sind der Meinung ich solle mich nicht unterkriegen lassen und nicht aufhoeren.

Und hab ich nicht erst in einem Kommentar geschrieben, dass ich meine Kids so erziehe, dass sie ihren Mann/Frau stehen? Und ich gebe beim ersten Shitstorm auf?

Viele von Ihnen haben mich auch ermuntert weiterzumachen.

Ich weiss es aber ehrlich gesagt nicht. Ich lasse den Blog einmal offen und denke eine Weile darueber nach - waehrenddessen ich in mein schoenes neues Buch schreibe. Das geht uebrigens prima, weil schnell mal abends im Bett was geschrieben ist. Scheint aber was anderes als der Blog zu werden - was, werde ich sehen.

Sollte ich mich eventuell doch entscheiden, hier weiterzuschreiben wuerde ich mir zwei Dinge wuenschen.

1. And die Trolle: Muss es sein? Es tut wirklich oft sehr weh! Hoert bitte auf damit.
2. An die "stillen" Leser: Auch Eure Meinung interessiert mich! Schreibt doch auch hin und wieder mal, was Ihr ueber einen Blogpost oder ein Thema denkt. Das ist eine unglaubliche Motivation fuer den Schreiber (also zumindest fuer mich) und vielleicht ein Gegenpol, der es ermoeglicht, solche Shitstorms einigermassen heil zu ueberstehen...

Falls ich mich aber dagegen entscheide, hier wieder zu schreiben, wird der Blog irgendwann verschwinden. Nochmals vielen Dank an diejenigen, die es betrifft.

Thursday, February 25, 2016

und Schluss ist

Vor ein paar Tagen ging es hier los. Irgendwas ist mit meinem Blog passiert - irgendwoher kamen ploetzlich viel mehr Kommentare und Mails als sonst - aber was fuer welche...

Deshalb erstmal die Moderationsfunktion aktiviert und alles haessliche und laecherliche entfernt.

Und jetzt hab ich mich entschieden, aufzuhören. Ich brauch das nicht, mich beleidigen und beschimpfen zu lassen. Klar war mir bewusst, das es im Netz solche Leute gibt, allerdings dachte ich, dass mein Blog thematisch dazu nicht viel hergibt, da so gut wie gar nicht politisch und inhaltlich sensibel.

Falsch gedacht.

Die erste Mail, nur ein Wort: "Niggerhasser". Häh? Wie jetzt? Ich?

Ein paar Mails spaeter kritisiert mich jemand, weil ich wohl ein "Negerliebhaber" sei. ????

Dazwischen alles von "Rabenvater" ueber "reicher Stinker" und - ja tatsaechlich - "Paedophiler"...

5 Leute schreiben, dass Sie meinen Blog fuer erstunken und erlogen halten. Warum lest Ihr ihn dann? Surft doch einfach weiter. Oder hat's trotzdem gefallen? Auch wenn es nur erfundene Kurzgeschichten gewesen sein sollten? Wenn's dann aber eventuell doch war gewesen sein sollte - verletzt sowas dann nicht oder ist Euch das egal?

Dar Hammer war aber, das mir jemand - am Todestag von IHR - vorgeworfen hat, ich haette sie ja selber umgebracht.

Und der letzte hat doch tatsaechlich anhand der zeitlichen Daten im Blog (und anscheinend erfolgreicher Recherche) meine Identitaet festgestellt und versucht, meine Adresse zu posten.

Woher das kommt? Keine Ahnung. Habe aber mal vor einiger Zeit auf der Suche nach Leuten mit aehnlichen Situationen in einem Forum mit einer jungen Dame recht deutlich ueber Erziehungsmassnahmen diskutiert. Daraufhin hatte ich in diesem Forum hasserfuellte Kommentare erhalten und mich schleunigst aus dem Foirum entfernt. Hat das eventuell einen - wie heisst das - "Shitstorm" erzeugt? Ich weiss es nicht...

Was ich jetzt mache? Ich habe mir ein tolles, antikledergebundenes Buch gekauft. In das schreibe ich jetzt handschriftlich meine Erlebnisse auf. Ist ja fuer mich. Und fuer die Kinder.

Ausserdem - um jetzt kitschig zu werden - hab ich mir vorgestern Abend den Film "Dances with Wolfes" reingezogen. Und so wie Lieutenant John J. Dunbar male ich auch schoene Bilder ins Buch - bin ja schliesslich Grafiker. Nicht von Indianern, sondern von tollen Kids. 7 an der Zahl. Und von Angel und meinem Vater, meiner Schwiegermutter und tollen Orten. und von mir. Hatte ich uebrigens irgendwann auch im Blog vor - hat sich jetzt erledigt.

Einige nette Leser hatte ich und schoene und hilfreiche Kommentare hatte ich erhalten. Danke dafuer von ganzem Herzen.

Und nicht boese sein, wenn ich bald nicht mehr bei Euch kommentiere. Eine Runde mache ich noch bei den "Netten" und dann kann mich das Internet erstmal fuer eine ganze Weile!

Euer Andy - ist uebrigens mein richtiger Name.

Monday, February 15, 2016

Kwame

Als Kwame aufwacht, ist er voellig desorientiert. Er weiss nicht, wo er ist - es ist so still. Diese Stille kennt er nicht. Wenn er aufwacht, morgens meist vor 6 Uhr, dann ist das Leben um ihn herum in vollem Gang.

Die Kennedy Road (Slum in Durban) schlaeft nie.

Immer kommt jemand, immer geht jemand.

Heute ist es still. Und hell.

Ach ja, er ist im Krankenhaus. Sogar im Einzelzimmer. Aber nicht, weil er zu den Reichen gehoert - wahrscheinlich aber wegen der Handschellen an seinem rechten Handgelenk.

5 Jahre frueher.

Auf dem Land geht nichts, keine Perspektive. Die kleinen Felder von Kwames Familie bringen kaum das ein, was zum taeglichen Leben benoetigt wird. Seine beiden grossen Brueder sind schon in die Stadt gegangen, beide nach Cape Town.

Aber Cape Town ist kein Zuckerschlecken. Die Stadt mit der hoechsten Kriminalitaetsrate in ganz Afrika.

Kwame ist 20 Jahre alt. Er war sogar ein paar Jahre in der Schule, aber da bei der Feldarbeit viele Haende noetig sind, war er nicht oft in der Schule.

Dafuer aber oft bei der alten Tankstelle am Ortsrand, da wo die Jugendlichen sich treffen und auch mal ein Bier trinken. Und da, wo Hoffnung geschuert wird.

Einer hat gehoert, in Durban ist es viel besser als in Cape Town. Viele Reiche leben dort, viel Arbeit, gutes Klima...

Wieder im Krankenhaus. Sein Knie schmerzt immer noch sehr, das ganze rechte Bein ist in Gips. Sprechen geht auch nicht und schlucken tut noch hoellisch weh.

4 Jahre frueher.

Es ist vieles gut gegangen. Kwame hat Arbeit in Durban, hat ein eigenes Zimmer und kann Geld an seine Familie schicken. Nicht viel, aber mehr als die meisten, die in die Großstadt gezogen sind.

Auch wenn der alte weisse Mann mit den weissen Haaren jeden hier "Kaffer" nennt, ist er doch gar nicht so uebel. Er behandelt seine Leute gut und er zahlt nicht schlecht - was er so von den anderen in der Kneipe gehoert hat.

Angefangen hat er vor knapp einem Jahr hier, als Junge fuer alles. Abwaschen, Muell, Lager auffuellen, Putzen. Harte Arbeit. Aber jeder hier hat hart gearbeitet, auch der alte weisse Mann.

Jetzt hilft er schon aus beim Kochen manchmal. Der alte weisse Mann meinte, dass er sich gar nicht schlecht macht und vielleicht mal ein guter Koch aus ihm wird. Seine Mutter ist jedenfalls unglaublich stolz auf ihn.

Wieder im Krankenhaus - dann drei Wochen zurueck.

Er hat gehoert, dass der alte weisse Mann mit den weissen Haaren gestorben ist. Ein wenig Wehmut erinnert ihn zurueck an die zwei Jahre in der Kueche des Restaurants. Aber nicht allzu viel. Hat ihn der weisse Mann nicht einfach so rausgeworfen? Das ist jetzt die Strafe dafuer. Naja, einfach so hat er ihn auch nicht rausgeworfen...

Seit einer Woche nun streift Kwame immer mal wieder um das Haus des alten weissen Mannes herum. Er kennt inzwischen den Rhythmus des Wachteams in der Gegend. Und er weiss, wo er sich verbergen kann, wo er nicht gesehen wird. Hier in dieser Gegend darf er nicht entdeckt werden. Nicht so einer wie er, aus dem Slums.

So ein riesiges Grundstueck! Und Kwame lebt im Slum, mit 3 anderen Maennern in einem stinkenden Raum ohne Licht, ohne  Fenster, ohne Wasser. Nicht mehr lange...

Wieder im Krankenhaus. Kleine Maedchen. Wegen 2 kleinen Maedchen liegt er jetzt hier.

3 Jahre frueher. Alkohol trinkt Kwame inzwischen wie Wasser. Jeder hier trinkt Alkohol. Geld schickt er schon lange keines mehr nach Hause. Seit er jeden Tag in der Kneipe ist - meist in den fruehen Morgenstunden nach der Abendschicht in der Kueche.

Heute aber ist Kwame richtig sauer! Der alte weisse Mann hat ihm gesagt, wenn er weiter so unpuenktlich ist und weiter so unmotiviert, dann geht das nicht mehr lange gut. Was will der alte Mann denn? Soll er sich noch mehr abschuften in der Kueche? Klar verdient er inzwischen mehr als frueher, mehr als seine beiden Brueder in Cape Town zusammen. Trotzdem kann er nicht mal mehr Geld zu seiner Mutter schicken!

Aber gleich kommt der duenne Kerl mit dem Anzug, der jeden Abend fuer eine Zeit vor der Kneipe wartet und seine Kunden bedient. Heute wird sich Kwame auch von ihm bedienen lassen!

Dreimal hat sich Kwame an diesem Abend bedienen lassen. Das Crack ist nicht so teuer und es ist guuuuut. Die Welt ist soweit weg von Kwame! Warum hat er das nicht schon frueher probiert?

Wieder im Krankenhaus. Ein Anwalt war da - billiger Anzug und gestunken hat er auch noch. Naja, weniger als Kwame wahrscheinlich, bevor er ins Krankenhaus gekommen war. Mindestens 5 Jahre, meinte der Anwalt. Und das sei sehr optimistisch.

Optimistisch war Kwame in letzter Zeit nur ein einziges Mal. Vor einer Woche. Als er beschloss, in das Haus von dem toten alten weissen Mann einzubrechen. Dann wird sich sein Leben aendern, dachte er. Dann zahlt er erstmal seine Schulden bei dem duerren Kerl mit Anzug, sucht sich eine Wohnung und eine ordentliche Arbeit. Oder er verkauft auch Crack. Weil mit Arbeit sieht es auch nicht mehr so gut aus in Durban - immer mehr junge Leute aus dem Land kommen in die Stadt.

3 Jahre frueher. Der alte weisse Mann hat ihn rausgeworfen. Nur weil er einen Tag nicht zur Arbeit gekommen ist. Was soll er jetzt machen? Wie soll er das Crack bezahlen?

Wieder im Krankenhaus - dann zwei Tage zurueck.

Kwame beobachtet das Haus des alten weissen Mannes. Heute ist es soweit. 3 Uhr morgens und das Haus ist noch genauso still und dunkel wie vor 2 Wochen - wird wohl noch eine Weile leer stehen. Einsteigen, durchsuchen, Tasche voll machen, wieder raus. Easy peasy lemon squeezy.

...

Wir sind seit mehr als einer Woche in Suedafrika und haben uns schon gut eingewoehnt. Das Haus ist gross genug fuer uns alle und es ist tolles Wetter. Auch wenn der Anlass - der Tod meines Vaters vor 2 Monaten - nicht so schoen ist, so versuchen wir doch, eine gute Zeit zu haben.

Weihnachten ging auch glimpflich vorueber und wir unternehmen viel. Abends wird oft draussen gegrillt - meine Kids finden das klasse, waehrend ihre Freunde im kalten England frieren.

Wir gehen meistens frueh ins Bett und schlafen wie die Engel.

Nummer 2 ist so ein wenig ein Spezialfall. Schon als kleines Kind ist sie immer nachts ein paarmal aufgestanden und wollte was trinken. Macht sie natuerlich inzwischen lange alleine - meist nimmt sie nur ein paar Schluck Milch aus dem Kuehlschrank und legt sich dann wieder hin.

So auch heute Nacht. Nummer 2 steht auf, kennt sich aber noch nicht so gut aus und knallt erstmal gegen eine Kommode - natuerlich holt sie sich einen Rueffel von Nummer 1 ab, die im gleichen Zimmer schlaeft und dabei aufwacht.

Nummer 2 geh also runter in die Kueche - Licht macht sie nie an und barfuss ist sie absolut nicht zu hoeren.

So steht sie in der Kueche und trinkt im Dunkeln ihre Milch als ploetzlich jemand in die Kueche kommt. Sie sieht ihn nur als Kontur gegen das Fenster im Eingang - ein Baseballschlaeger im Anschlag. Offenbar sieht er sie im selben Moment und ruft aus Schreck irgendwas in einer Sprache, die Nummer 2 nicht versteht, deren Klang sie aber kennt - auf jeden Fall eine der Tribe-Sprachen.

"EINBRECHER" bruellt sie und wirft ihm die Milchflasche ins Gesicht. Gleichzeitig stuermt sie auf ihn zu und tritt ihm das Knie weg - im wahrsten Sinn des Wortes. Leider hat er da aber schon den Baseball-Schlaeger mit Wucht geschwungen und Nummer 2 kann den Schlag nur muehevoll mit dem Arm abwehren. Gleichzeitig weiss sie, dass der Arm kaputt ist.

Erstmal entwaffnen, denkt Nummer 2 und tritt nach dem Arm mit dem Baseballschlaeger. Der Einbrecher liegt inzwischen am Boden, ist aber noch lange nicht am Ende. Und so schafft er es noch, einen heftigen Schwung mit dem Schlaeger gegen die linke Seite von Nummer 2 zu landen.

Waehrend ich jetzt gerade erst so richtig aus dem Bett bin und noch wach werde, ist Nummer 1 inzwischen unten. Sie war noch wach von dem Krach mit der Kommode.

Nummer 1 fackelt nicht lange herum - das ist nicht ihre Art. Sie erkennt die Situation - ihre Schwester sieht nicht gut aus und liegt am Boden und ein kraeftiger junger Mann rappelt sich gerade wieder auf.

Nicht gerade karate-like aber "das hat sich so angeboten" nimmt sie den Kehlkopf des Einbrechers als Fussball und haut voll rein. Kehlkopf eingedrueckt ist eine unfeine Sache. Der Betroffene bekommt keine Luft mehr und geraet in absolute Panik. Schlaegt um sich und ist nicht zu beruhigen.

Nummer 1 weiss das vom Karate begleitenden medizinischen Training und haelt uns alle auf Abstand - Nummer 3 und 4 kommen gerade an. Ich bin sowieso bei Nummer 2 und versuche rauszufinden, was los ist. Arm gebrochen ist klar, aber irgendwas ist mit dem Oberbauch, linke Seite. Starke Schmerzen - nicht gut. Ich rufe 10111 (Polizei) und sicherheitshalber danach noch 10177 (Rettung).

Inzwischen ist der Einbrecher bewusstlos und Nummer eins drueckt den Kehlkopf ein wenig raus - Luft geht wieder durch, aber der Einbrecher bleibt bewusslos.

Polizei und Rettung kommen recht schnell und fast gleichzeitig. Nummer 2 wird erstversorgt aber jetzt schon ist klar, dass da was nicht in Ordung ist. Ich also mit ihr ins Krankenhaus - Polizei bleibt natuerlich erstmal hier und der Ex-Partner von meinem Vater im Restaurant wird auch bald mit Familie hier sein.

Der Armbruch ist zum Glueck nicht gefaehrlich - also keine Gefaesse zerstoert, aber die Milz ist gerissen und verliert sehr viel Blut. Notoperation startet nur wenige Minuten, nachdem im Utraschall die Diagnose klar war - nach den starken Schmerzen im Oberbauch und der Verhaertung wurde das schon vermutet.
Endlos spaeter (ich habe kein Zeitgefuehl mehr) kommt der Arzt und gibt erstmal vorsichtig Entwarnung. Die Milz war zwar nicht mehr zu retten aber die Blutung ist gestoppt. Blutreserven waren vorhanden und obwohl sie sehr viel Blut verloren hat, sei sie erstmal stabil meinte er.

Das muss ein maechtiger Schlag gewesen sein - auch der auf den Arm. Den wollen sie jetzt richten. Sowas sieht er normalerweise bei ueberfahrenen Kindern, sagt er. Ich gratuliere ihm zu seiner Sensibilitaet und frage, wie es weitergeht. Es ist eine Drainage im Oberbauch, die Blut und andere Fluessigkeiten aufnimmt. Muss ein paar Tage drinbleiben und so lange bleibt sie auf der IS.

Natuerlich bin ich bei ihr als sie aufwacht. Sie schaut ganz gross und das erste was sie sagt war: "Haben wir ihn?"

Meine kleine Heldin, noch nicht mal ganz 8 Jahre alt.

Heute nachmittag kommt der Gips ab. Nummer 2 ist wieder fit und hat schon wieder mit leichtem Training angefangen. Nummer 1 ist unheimlich stolz auf "ihre" Nummer 2. Wie wir alle!