Wednesday, March 22, 2017

London

Am Samstag waren wir alle in London.

Sowas ist eine groessere Operation mit meinem Rudel. Kinderwagen mit Baby und den noetigsten Dingen (Wechselklamotten, Milch, Windeln, etc.), zwei Kleinkinder, drei durchgedrehte kleine Jungs und zwei schon halbwegs vernuenftige, aber trotzdem durchgedrehte Maedels - und ich.

Nach London fahren wir mit dem Zug - anders geht das nicht. Und ausserdem wollen die Kids auch mal Zug fahren. Samstags ist es natuerlich voll, also frueh los, hab ich mir gedacht.

Fruehstueck gibt es fuer alle nur Muesli (Nummer 8 kriegt natuerlich seine Flasche) - richtig Fruehstuck gibt es dann in London. Klamotten hab ich alle  nach Feierabend (am Freitagabend schon um 23:45 Uhr) rausgelegt.

Beim Fruehstuck die Strategie erklaert - also wer von den groesseren fuer die Kleinen zustaendig ist und worauf beim Zug und in der Tube und auf den Strassen zu achten ist. Das hat sich ausgezahlt - dazu aber spaeter.

Wir sind im Zug - alles noch recht leer. Keiner ist auf die Gleise gefallen und beim Durchzaehlen fehlt auch keiner. Ist doch ein prima Start.

St Pancras Station ist schon voller, aber dank guter Einweisung bleiben alle beieinander - ausser natuerlich die 3 Jungs (Nummer 3-5), die immer ueberall rumrennen muessen. Nummer 6 und 7 sind fest im Griff von Nummer 1 und 2 und Nummer 8 kann ja noch nicht.

Nach der Drohung: "Ihr kriegt nachher nix zu essen" waren auch die 3 Jungs recht brav. Die Drohung hilft fast immer - alles andere eher selten.

Wir wollen zum Borough Market, ein wenig rumschlendern. Sachen einkaufen, die man bei uns nicht bekommt und 2. Fruehstueck essen.

Also auf zur Tube - wird doch schon recht voll hier. Und die erste Katastrophe passiert. Also fuer uns ist das keine Katastrophe, aber ich moechte die normale englische Durchschnittsfamilie bei sowas erleben. Die Tube kommt und wir steigen alle ein - fast alle...

Nummer 6 hat was Spannendes gesehen und sich plötzlich aus dem Griff von Nummer 2 entwunden. Nummer 2 reagiert gut und rennt der Kleinen hinterher. Ich hab's leider zu spaet gesehen und komme mit Kinderwagen und den anderen Kids natuerlich nicht mehr raus - keine Chance.

Tuer zu und wir fahren los. Ohne Nummer 2 und Nummer 6.

Kein Problem, haben wir vorher alles trainiert. Nummer 2 weiss, dass sie mit Nummer 6 im eisernen Griff genau da stehen bleibt, wo sie waren, als der Zug losgefahren ist. Und zwar genau solange, bis ich wieder da bin. Egal wie lange es dauert. Und nicht ansprechen lassen - ansonsten losschreien so laut sie kann.

Ich also relativ gelassen mit dem restlichen Rudel und Kinderwagen wieder ausgestiegen, mich mit dem Rudel durch die Massen gequaelt. Und hier ist auch noch Baustelle.

Zurueck mit der naechsten U-Bahn, und da warten sie auch schon, meine beiden Maedels. Nummer 2 meint, ich haette ja ganz schoen lange gebraucht - die bekommt nachher nix zu essen (hat sie dann aber doch).

Im Market angekommen, sehen wir, dass es doch gut war, so frueh zu kommen. Der Borough Market ist seit einigen Jahren (und vor allem nach dem Umbau neulich) so dermassen von Touristen ueberlaufen, dass man spaeter am Tag schon alleine - geschweige mit 8 Kids - gar nicht mehr durch kommt.

Kleine Planaenderung: Erst Fruehstueck und dann shoppen - die Kids haben Hunger. Die Kids haben eigentlich immer Hunger. Was die so verputzen ist unglaublich. Also schoen Baguette gekauft (3 von den langen), Landbutter und Milch, franzoesischen Kaese, italienische Salami und Mortadella. Dann runter zu der kleinen alten Kirche, uns an den Rand gesetzt und alles genuesslich verputzt. Das Wetter spielt auch mit und es ist wunderbar.

Man faellt mit 8 Kids durchaus auf. Es ist immer spannend zu sehen, wie die Leute das Rudel zuerst anschauen, sich noch nichts dabei denken. Nach kurzer Ueberlegung scheint aber klar zu werden, dass es sich nicht um einen Kindergarten-Schul-Ausflug handelt, sondern um eine Familie. Und dann wird der Blick erstaunter.

Passiert durchaus hauefig, dass man angesprochen wird und die Leute koennen es oft fast nicht glauben, dass jemand heutzutage so viele Kinder hat. Ich verkneif mir dann natuerlich bei Fragen wie "das macht Ihre Frau mit?" oder Kommentaren wie "die arme Mutter!" die realitaetsgetreue Antwort sondern bleibe unverbindlich. Wir kennen das schon und wir lachen danach darueber.

Fruehstueck fertig und auf geht's wieder zum Shopping auf den Markt.

Nun kommt Nummer 1 auf die Idee, wir koennten ja in die Oxford Street zum Shoppen fahren. Sie braucht neue Schuhe. Bin ja schon froh, dass sie nicht die Bond Street vorgeschlagen hat... Ploetzlich brauchen alle bis einschliesslich Nummer 6 neue Schuhe - und ja, Nummer 7 braucht eigentlich auch neue. Dummerweise ist London nicht die allerbilligste Adresse zum Shoppen, aber wir werden bestimmt eine dieser Ketten (Clarks waere mein Favorit) finden, bei dem die Preise standardisiert sind.

Also wieder in die U-Bahn - keiner fehlt diesmal und dann ins Getuemmel in die schon sehr volle Oxford-Street. Auch hier fallen wir auf - insbesondere im Schuhgeschaeft, nachdem ich die Frage "wer braucht denn neue Schuhe?" mit "eigentlich alle" beantwortet hatte. Wir kriegen dann nach ca 15 Minuten Wartezeit und einem stark ansteigendem Laermpegel meines Rudels 3 Verkaueferinnen zugeteilt, die erstmal alle Fuesse vermessen.

Ich brauch auch neue Schuhe und da mit dem Fruehling vermehrt Draussensein ansteht, frage ich dummerweise die Kids, ob denn die Gummistiefel noch passen...

17 Paar Schuhe spaeter - auf 4 Kids in grossen Tueten verteilt - und ich um 682 Pfund erleichtert - schlendern wir weiter bis Nummer 1 und 2 beide gleichzeitig vor einem Schaufenster laut aufkreischen und aufgeregt auf mich einplappern. Ich verstehe so viel, dass die Fruehlings-Sommer-Jacken nicht mehr passen...

6 Jacken spaeter - ich um weitere 356 Pfund erleichtert, bekommen die Kinder ploetzlich und ganz unerwartet Hunger. Ich bin mit den Nerven schon ganz schoen aufgerieben und kann eine Pause auch gebrauchen. Da kenn ich was in der Naehe: Burger & Lobster (Burger fuer die Kids und Lobster fuer mich :-)) und zum Glueck haben die noch genug Platz und da es bei den Ausgaben heute eh schon nicht mehr drauf ankommt, schlagen wir zu.

Eintrag ins Logbuch: nicht mehr mit 8 Kindern ins Burger & Lobster gehen. Ansonsten bald pleite...

Gut gesaettigt, machen wir uns auf zum Leicester Square. Wir wollen  in die M&Ms World. Das ist Merchandising pur, aber es war schon vorher ausgemacht, dass es nur M&Ms gibt und keine doofen Puppen etc.

9 M&Ms Basecaps und gefuehlte 5 Kilo M&Ms spaeter stuerze ich mich mit den Kindern eiligst in die U-Bahn. Nicht dass die noch auf andere dumme Gedanken kommen.

Im Zug nach Hause auf die schnelle einige hundert M&Ms auf dem Boden verstreut und schon sind wir wieder zu Hause. Kids happy, Daddy erledigt und Nummer 3 meint: "machen wir das naechsten Samstag wieder?".

Danach hat er den Rest des Tages nicht mehr mit mir gesprochen - keine Ahnung warum. Ehrlich!

Wednesday, March 15, 2017

Das Leben geht weiter!

Letztes Jahr im Mai habe ich den letzten Post geschrieben - keine Ahnung, ob ich ueberhaupt noch Leser habe...

Es ging nicht mehr, es wurde alles zuviel. Nachdem ich von zwei Schicksalsschlaegen berichtet hatte, konnte ich nicht auch noch von einem Dritten berichten. Von der Zeit mal ganz abgesehen.

Letztes Jahr Ende Mai wollte ich mich ja von Angel trennen - dazu kam es aber nicht mehr. Der Alltag hat mich eingeholt und so ist nochmal eine gute Woche vergangen in der ich mich noch nicht von ihr getrennt hatte.

Dann, Samstag vormittag. Angel ist am Set und arbeitet. Dann kommt der Anruf - Angel ist im Krankenhaus. Wehen und leichte Unterleibsblutung.

Nummer 8 kam rund 3 Monate zu frueh. Zum Glueck war es schon so weit, dass die Ueberlebenschancen relativ gut waren. 830 Gramm sind aber schon erschreckend klein -  war natuerlich an Maschinen angeschlossen und im Brutkasten. Trotzdem war alles nochmal gutgegangen.

Dachten wir.

Angel starb 3 Tage spaeter an Sepsis. Schicksal, Du bist unerbittlich!

Es ging rasend schnell - am zweiten Tag nach der Geburt fing es an mit Unwohlsein und Fieber. Keine Therapie half, am naechsten Morgen war sie ohne Bewusstsein, am Nachmittag war sie tot. Keine Vorwuerfe ans Krankenhaus. Man mag viel schlechtes ueber das englische Gesundheitssystem sagen, aber die Notfall- und Intensivmedizin ist hervorragend.

Uebrigens auch die Fruechenbetreuung. Und die Betreuung von Hinterbliebenen...

Und nun schon wieder: die Kinder informieren. Das ist mit das Haerteste an der ganzen Sache. Zuerst ihre Mutter, dann der Grossvater und nun Angel. Bei Kindern machen die 6 Monate Zeit zusammen schon viel aus und insbesondere fuer die Kleinen war sie schon die Mama nach der Zeit.

Dann Schwiegermama informieren - ich brauchte sie jetzt und sie kam auch am naechsten Tag aus Spanien. Uebrigens war sie sehr verstaendnisvoll, nicht ganz normal, da es ja um die Frau nach ihrer eigenen Tochter ging. Aber ihre Enkel laesst sie nicht im Stich. Eine wunderbare Frau.

Und nicht zuletzt der Kontakt mit Angels Verwandten - die ich bisher noch nicht kennengelernt hatte.

Dann kommt's noch ganz hart: Wir waren ja keineswegs verheiratet und das birth certificate noch nicht unterschrieben. Und ich wurde erstmal nicht als Vater anerkannt. Das muss dann gerichtlich entschieden werden, was zum Glueck recht schnell geklappt hat. Aber sowas will man in so einer Situation nun gar nicht haben.

Die naechsten 3 Monate verliefen dann so: jeden Tag ins Krankenhaus, meist sogar mehrmals. So viel Zeit wie moeglich mit dem Kleinen verbringen. Ja, ist wieder ein Junge - die Maedels sind ganz klar in der Minderheit bei uns. Dazwischen um die anderen Kids kuemmern - zum Glueck ist Schwiegermama da - sonst waere alles untergegangen. Und wieder einmal war ich bei nur 2-3 Stunden Schlaf pro Tag.

Nach 3 Monaten kam er dann zu uns nach Hause. Klar hatten die anderen ihn schon vorher gesehen, aber zuhause ist halt nochmal anders - alle waren total aus dem Häuschen. Schwiegermama blieb nochmal einen Monat laenger und dann fing der Alltag wieder an. Einer mehr, mit Flaeschchen, Windeln und alles - und ohne Mama. Hab ich jetzt zweimal durch - reicht jetzt wirklich.

Jetzt isser 9 Monate alt der Suesse. Ein kleiner, sehr blonder Engel. Liebling von allen. Wir sind wieder gluecklich und alles funktioniert. Aber hart war es - und keine Zeit fuer Blog oder so. Sorry dafuer.

Was gibt es sonst? Nummer eins ist 11 und wird wohl bald ihren schwarzen Karate-Gurt haben. Nummer 2 hat den braunen Gurt. In Sachen Sicherheit brauch ich mir also kaum Gedanken machen. Nummer 3 ist uebrigens auch schon beim gruenen Gurt, der legt ganz schoen zu. Das stachelt seinen besten Buddy, Nummer 4 unglaublich an - der wird wohl den gruenen Gurt noch frueher haben als Nummer 3.

Nummer 5 kommt im Sommer in die Schule, Nummer 6 stellt alles auf den Kopf - die Kleine ist so verrueckt wie kein Kind vor ihr. Das wird ja noch was werden.

Nummer 7 ist nun auch schon 2 Jahre alt und rennt rum und Nummer 8 faengt ware neulich bald vom Wickeltisch gefallen, so schnell ist der schon. Er ist ja rund 3 Monate hinterher - also in der Entwicklung erst ungefaehr so wie ein 6-monate altes Baby. Aber er holt schnell auf, glaube ich. Jedenfalls sind keine erkennbaren Schaeden zurueckgeblieben - auch die Aerzte sind absolut positiv in der Diagnose.

Meine beiden Models sind inzwischen auf einigen Plakaten und in Prospekten und im Internet zu sehen. Die grosse Modelkarriere wird es aber nicht werden, denke ich. Das war ihnen schon nach einigen Shootings zu langweilig. Aber es war halt mal was anderes.

Ueber Ostern wollen wir das erste mal wieder nach Suedafrika. Ich freu mich schon richtig darauf, mit 8 Kindern alleine die lange Reise zu machen :-( aber es ist halt so wunderbar dort und das entschaedigt fuer die Strapazen der Reise.

Job funktioniert auch mit den beiden Leuten, die ich seit einiger Zeit habe. Allerdings ist es ein leichtes Minusgeschaeft. Jeden Monat schiesse ich ein wenig aus dem Ersparten/Geerbten/Lebensversicherung zur Lebenserhaltung zu. Lange kann das so nicht weitergehen - muss mir bald mal was dazu ueberlegen.

Wir haben hier gerade richtig tolles Wetter seit einiger Zeit. Der Garten spriesst (hab schon 2x Rasen gemaeht) und wir sind viel draussen. Letztes Wochenende haben wir uns ein paar Goslings zugelegt. Mal sehen, wie das mit den Huehnern funktioniert. Noch sind sie im Stall unter Waermelampe, aber in zwei Wochen geht's raus. Die Kids sind jedenfalls begeistert. Und wenn's nicht funktioniert gibt's halt jede Menge Gänsebraten im Winter...

Soweit so gut - mal sehen, ob ich es diesmal schaffe, regelmaessig zu schreiben. Der schwierige Post ist ja nun durch...

Thursday, May 19, 2016

Klarheit

Vergangenes Wochenende habe ich quasi durchgeschuftet. Ich habe einen wichtigen deutschen Kunden und der wollte Anfang der Woche Ergebnisse sehen und wollte diese per Videokonferenz diskutieren.

Also hab ich die Kinder schoen vernachlaessigt und rund um die Uhr alles fertig gemacht. Nach 3 Stunden Schlaf in der Nacht zu Montag war dann auch alles fertig und ich rufe den Kunden an.

Keine Antwort - nicht mal die Rezeption war zu erreichen. Bis ich dann irgendwann merke, in D ist ja Feiertag.

...
...

Kinder umsonst vernachlaessigt... Kommt davon, wenn man Termine nicht genau abstimmt.

Was mache ich also mit dem angebrochenen Tag? Zur Auswahl stehen:

  • Waesche waschen (ein sehr verlaesslicher Freund auf meinen ToDo-Listen)
  • Staubsaugen (ebenfalls ein treuer Weggefaehrte)
  • Bad oder besser Baeder putzen. Mann, hab ich viele Freunde...
  • Rasen maehen. Ein weniger verlaesslicher Freund, kommt immer im Fruehling und geht im Spaetherbst. Im Fruehling ist er aber sehr aufdringlich
  • Hecken schneiden. Der beste Freund vom Rasenmaehen.
  • um nur die wichtigsten Dinge aufzuzaehlen...
Ich entscheide mich dafuer, ans Meer zu fahren. Ein wenig Zeit fuer mich waere mal schoen.

Wetter war nicht schlecht, eine relativ forscheBriese, aber nicht zu kalt und Sonne pur. Also los zu meinem Lieblingsdoerfchen mit den tollen Felsenaustern. Zur Zeit 1 Pfund pro Auster - also erstmal ein Dutzend verputzt.

Und dann auf einem Felsen am Strand gesessen, fast den ganzen Tag. Heute pellt sich schon die Haut vom Sonnenbrand aber danach bin ich immer prima braun. Hab die Sonne bei dem Wind ueberhaupt nicht gemerkt...

Und nachgedacht - den ganzen Tag. Das war gut, jetzt weiss ich, was ich will, jetzt hab ich Klarheit.

Mit der Arbeit und den Kids geht es so nicht weiter, also beschliesse ich, von nun an einen Tag die Woche frei zu nehmen und am Wochenende gar nicht mehr zu arbeiten, ausser im allergroessten Notfall. Schliesslich hab  ich jetzt 2 Angestellte und das muss doch irgendwie funktionieren. Und wenn es dann etwas weniger Geld gibt, ich hab ja jetzt einen Puffer dank meines Vaters.

Die Kinder gehen einfach vor und ich merke in letzter Zeit, dass mir vieles durch die Lappen geht. Also maximal 8 Stunden am Tag fuer 4 Tage die Woche. Das gibt genug Zeit, wieder fast voll fuer die Kids da zu sein. Tagsueber sind sie in der Schule und im Kindergarten, nachmittags und frueher abend habe ich Zeit fuer sie und abends kann ich ja dann noch 1, 2 Stunden arbeiten, ohne mich jedesmal an den Rand der Erschoepfung zu bringen.

Dann komme ich zu Thema 2: Angel und meine zukuenftige Vaterschaft. Schon eine ganze Weile behagt mir die Beziehnung nicht mehr. Es war einfach zu frueh, als dass ich ganz loslassen koennte. SIE schwebt immer noch allgegenwaertig ueber uns. Angel will mehr als ich ihr geben kann - verstaendlich - aber so eine Situation hat sie nicht verdient. Und die Schwangerschaft - ob nun versehentlich oder nicht - aber sie haette es mit einfach fruher mitteilen muessen. Anfang Mai hab ich es erfahren und sie weiss es seit Ende Januar.

Nein, ich bin kein Freund von Abtreibung - ganz im Gegenteil. Wenn man viele Kinder hat, kann man gar nicht dafuer sein, wenn man sieht, wie jedes einzelne Kind so besonders und so toll ist. Aber ich bin schon der Meinung, dass ich als werdender Vater frueher hatte einbezogen werden sollen - das hat viel kaputt gemacht.

Ich werde mich also von ihr trennen - das ist das beste fuer alle Beteiligten. Auch fuer mein Rudel. Wenn die sich zu stark an sie gewoehnen, verlieren Sie irgendwann doch wieder einen geliebten Menschen. Weil dauerhaft wuerde das mit Angel nie werden. Der Altersunterschied ist sowieso zu gross und es gibt zu viele verschiedene Ansichten.

Einfach wird das nicht, mit dem ungeborenen Kind. Hier fehlt mir leider noch die Klarheit. Natuerlich freue ich mich auf jedes Kind - aber das wird schwierig. Es ist keine Perspektive da...

Trotzdem, es herrscht Aufbruchsstimmung bei mir und die Kinder haben es gleich abends gemerkt. Die beiden wichtigen Entscheidungen haben mir eine Last vom Herzen genommen und die Kinder waren sofort von meiner Ausgelassenheit angesteckt. Ich denke, es war richtig, mal eine kleine Auszeit zu nehmen und ein paar Dinge zu sortieren.

Ich weiss - ist ein seltsamer Post heute - aber mir war nach Mitteilung...

Thursday, May 12, 2016

Feuer & Social Services

So - die Sendepause ist vorbei. Jetzt kommen wieder regelmaessig mehr Updates. Es war viel los - hier eine kurze Zusammenfassung.
  • Hab jetzt die "Social Services" auf dem Hals - darueber schreibe ich gleich unten mehr.
  • Wir waren in Suedafrika im Urlaub - half-term. Da kommt bestimmt demnaechst ein Artikel drueber. War aber richtig schoen - mit echter Safari und so...
  • Die ersten Fotoshootings mit den Maedels sind durch. Der erste Fotograf ist verbraucht. Neuer Fotograf: ich. Das verdient einen Artikel in Kuerze.
  • Meine Arbeit ist so ausgeufert, dass ich zu GAR NICHTS MEHR gekommen bin und die Kids sich irgendwann massiv beschwert haben. Deswegen habe ich jetzt schweren Herzens (Weil: gibt immer nur Probleme) zwei Vollzeit-Werbespezis angestellt. Das hat zwar Anfangs noch mehr Arbeit gekostet, jetzt aber zahlt es sich aus und ich arbeite NUR NOCH 10 Stunden am Tag.
Und jetzt kommt's...
  • Ich werde wieder Vater. Ich bin sowas von stinksauer. Artikel kommt, wenn ich mich wieder ein wenig beruhigt habe.
Zu den Social Services.

Seit ein paar Wochen ist meine Kettensaegenwunde wieder soweit verheilt, dass ich wieder das Laufen angefangen habe. Ausloeser war mal wieder Nummer 1...

"Papa, Du solltest Dir mal wieder eine neue Hose kaufen"... meinte sie.
"Warum?" frage ich ganz ahnungslos.
"Weil's ueber der Hose rausquillt!" sprudelt Sie los, sich freuend, dass ich in die Falle getappt bin. Und Nummer 1 bis 4 lachen schallend los. Klar hat sie das gerade dann erwaehnt, als wir schoen saftige, vor Fett triefende, frisch gegrillte marinierte Schweineribs gegessen haben.

Die Wunde tat zwar Anfangs noch hoellisch weh beim Joggen und ein paar Stellen sind wieder aufgerissen aber die 8 Kilo, die ich zugelegt hatte, sind fast schon wieder weg.

Inzwischen schaffe ich auch wieder 10 Kilometer in knapp unter einer Stunde und Nummer 1 & 2 halten brav mit. Nummer 3 kommt die kuerzeren Runden bis 5 Kilometer mit und wenn wir mal eine lockere Runde machen, kommt auch Nummer 4 mit. Mit seinen 5 Jahren schafft er durchaus 5 Kilometer, aber eben nicht in einer schweisstreibenden Zeit.

Letzte Woche dann 10 Kilometer mit Nummer 1 und 2. Die anderen Kids lassen wir alleine zuhause, das klappt eigentlich hervorragend.

Eigentlich...

Nummer 5 hat naemlich ploetzlich Hunger bekommen. Und Nummer 3 meinte, er muesse jetzt Pancakes machen, das liebt Nummer 5 so sehr. Und als kleinster der 3 mittleren Jungs bekommt er meistens, was er will. Das ist so wie eine kleine Gang in der Familie, die 3 Jungs...

Die Pfannkuchen hat er auch hingekriegt. Aber danach hat er den Herd nicht ausgemacht. Und wir tun immer schoen viel Oel in die Pfanne, damit die Pancakes auch gleichmaessig braun werden.

Und viel Oel in der Pfanne und nicht ausgeschalteter Gasherd? Das ergibt ein schoenes Lagerfeuer mitten in der Wohnung.

Aber es ist ja nicht so, dass wir auf sowas nicht vorbereitet waeren. Bei uns gibt es Rauchmelder und CO Melder, Feuerdecke und Feuerloescher. Und trainiert sind die Kids auf alle moeglichen Umstaende. Rauchmelder geht los, Nummer 3 nimmt also die Feuerdecke und wirft sie ueber die Pfanne.

So weit so gut. Nur ist der kleine Kerl ja so furchtbar neugierig und moechte sofort nachschauen, ob das Feuer unter der Decke schon aus ist.

War es aber nicht und dummerweise hat er die Pfanne mit dem brennenden Oel vom Herd gezogen. Wo nun schoen die Dielen gebrannt haben. Das war ihm dann doch ein wenig zu heikel und er hat brav wie gelernt Nummer 4 bis 7 in den Garten evakuiert, die Feuerwehr angerufen und sich dann den Feuerloescher geschnappt.

Dummerweise den falschen...

Jetzt nicht wirklich so falsch, weil einen richtig falschen haben wir nicht. Aber er haette bitte bitte bitte zuerst den CO2-Loescher nehmen sollen. Hat er aber nicht, sondern er hat den Pulverloescher genommern.

Der hat zwar den Zweck auch erfuellt, aber wer schon mal einen Pulverloescher im Einsatz gesehen hat, der weiss, wie danach die Wohnung aussieht. Das Zeug ist ueberall, wirklich ueberall...

Kueche und Esszimmer sind inzwischen komplett renoviert und wieder einsatzbereit - das nur mal so nebenbei...

Leider kam dann die Feuerwehr schneller als Nummer 1 und 2 und ich nach Hause. Und obwohl die keinen Handlungsbedarf mehr sahen, merkten sie sehr wohl, dass das aelteste anwesende Familienmitglied gerade mal 6 Jahre alt war.

Und die Bemerkung von Nummer 3, dass das doch ok sei, dass waere bei uns oefter so, hat auch nicht geholfen und so hat die Feuerwehr die Social Services informiert, die dann auch brav gleich 2 Mitarbeiter entsandt haben.

Nun bin ich dummerweise ueberaus empfindlich, was externes Einmischen in meine Familie betrifft. Was sich dadurch zeigte, dass ich die zwei Damen nach den ersten Belehrungen "Kinder unter 14 Jahren darf man auf keinen Fall alleine in der Wohnung lassen" hochkant hinauswarf.

Unter 14 Jahren? In was fuer einer Welt leben die denn? Oder sind die Kinder heutzutage so unselbstaendig?

Wie auch immer - das gab dann dummerweise eine gerichtliche Anordnung, dass ich die Damen zu empfangen habe, wann immer diese das fuer richtig halten.

Diese Anordnung hat mein Anwalt binnen eines Tages durch die naechste Instanz verhindert.

Daraufhin kamen die Damen aber trotzdem, weswegen ich mit einer einstweiligen Verfuegung die Social Services gestoppt habe.

Die naechste gerichtliche Anordnung liess nicht lange auf sich warten - diesmal so formuliert, dass sie nicht angreifbar war.

Das waere sicherlich noch eine Weile so weitergegangen. Gluecklicherweise haben wir aber in der Nachbarschaft einen MP wohnen, dem ich schonmal geholfen habe, seinen Garten auszumisten. Der hat dann die ganze Sache insoweit beruhigt, dass wir nur ein Gespraech mit den Social Services hatten, unter Fuehrung eines Mediators, der danach noch kurz laenger blieb und mir zu meiner wohlorganisierten Familie gratuliert hat...

Ich weiss, ich war im Unrecht. Klar hat das Ereignis gezeigt, dass Kids mit 6 Jahren noch nicht einen Haushalt managen koennen. Aber es geht anders nicht bei uns. Wenn ich mit den Maedels joggen moechte - und das geniessen die so sehr - kann ich nicht jedesmal einen Babysitter anheuern. Und es gibt genug andere Anlaesse, bei denen die einen oder anderen Kids mal eine Weile alleine sind bei uns.

Und auch, wenn unser Leben manchmal chaotisch anmutet, haben wir doch alles recht gut im Griff.

Und trotz allem bin ich super stolz auf meinen kleinen Nummer 3, dass er das Unglueck ganz alleine in den Griff bekommen hat!

Sunday, March 13, 2016

Just bread

Wenn ich auch vieles mag an England - eines aber doch nicht: das englische Brot.

Und da wir ja sowieso alles selber machen, backen wir natuerlich auch unser eigenes Brot. Seit Januar ganz professionell, denn ich habe uns einen "commercial convection oven" gekauft. Unsere Kueche sieht eh schon fast aus wie eine Restaurantkueche, da kommt es auf den Ofen auch nicht mehr an - Platz haben wir zum Glueck genug.

In den Ofen bringe ich jetzt 12 ein-Kilo-Brote auf einmal rein - und da bei uns locker 1-2 Brote am Tag verschlungen werden, kann ich nun endlich einen Wochenvorrat auf einmal backen.

Die Kinder fanden den Ofen anfangs auch toll, bis ihnen bewusst wurde, dass wir natuerlich auch das Brotbacken in teamwork machen. Und da ich ein Verfechter von handgeknetetem Teig bin, kneten jetzt Nummer 1-4 regelmaessig mit mir zusammen am Samstagmorgen Brotteig.

Nummer 5 und 6 ueberwachen das ganze und stehen hilfreich im Weg und spielen im Mehl. Nummer 7 kann nun schon fast alleine laufen - haelt sich aber an allem fest und zieht somit doch immer wieder einiges vom Tisch runter.

Also optimale Bedingungen fuer perfektes Brot. Mal davon abgesehen, dass man solches Brot, wie wir es backen, maximal in Spezialbaeckereien in London bekommt, spart man mit selber gebackenem Brot eine Menge Geld. Da ich Mehl direkt bei der Getreidemuehle in 20 kg Saecken kaufe und den Rest der Zutaen im Grossmarkt, kostet mich ein Laib Brot (ca. 1 kg) inkl. Energie nicht einmal 50 Pence - eher noch deutlich drunter. Bei 10-12 Laib Brot pro Woche sparen wir da rund 30 Pfund, wuerde ich sagen.

Mal davon abgesehen, dass es fantastisch schmeckt. Wir backen so, dass wir die ganze Woche gutes Brot haben ohne viel einzufrieren (nur wenn was uebrigbleibt, wandert das fuer ein paar Tage in den Freezer). Fuer den ersten Tag gibt es z.B. Baguette oder Ciabatta, manchmal auch Brezeln. Fuer den zweiten Tag machen wir ein schoenes Weissbrot, oder Bagels oder auch mal ein "fettes Brot" wie wir sagen - sowas wie Brioche z.B. Der 3. und 4. Tag ist perfekt fuer ein schoenes Zwiebelbrot oder auch ein Roggenmischbrot. Am 5. Tag kann man noch wunderbar ein reines Roggenbrot essen und am 6. oder 7. Tag ist Pumpernickel immer noch prima zu geniessen. Hach - Roggenbrot mit selber geraeuchertem Lachs. Das ist einfach nicht zu ueberbieten...

Wir fangen schon am Donnerstag an, den einen oder anderen Sauerteig zu aktivieren (habe immer 2 Weizensauerteige und einen Roggensauerteig da). Am Freitag werden die diversen Starter gemacht - das gibt dann reichlich Geschmack fuer die Brote, wenn man zwei Tage vorher fermentiert. Auch am Freitag machen wir z.B. schon die Brezeln soweit fertig, dass sie nur noch im Kuehlschrank gehen muessen und dann gleich Samstagmorgens als erstes gebacken werden.

Und dann sind die Kinder auch schon wieder versoehnt mit mir, wenn sie zwischen dem Teigkneten, Zwiebeln schneiden, Brot-Bannetons vorbereiten ganz frische, noch warme Brezeln mit Butter bekommen, dazu ein riesen Glas Milch - so kann der Samstag beginnen...

Nun backen wir aber nicht nur fuer uns, sondern inzwischen auch fuer etliche Nachbarn. Deswegen kommen wir inzwischen lange nicht mehr mit einer Ladung Ofen aus, sondern sind inzwischen bei 3 Ofenladungen pro Samstag angekommen. Das bedeutet also, dass wir an einem Samstagvormittag doch so rund 30-40 Brote backen.

Das mir den Nachbarn kam durch die Eier, die wir verkaufen. Zur Zeit legen unsere Huehner schon rund 3 Dutzend Eier am Tag und die holen sich die Leute immer Samstags bei uns ab. 6 organic eggs fuer 1 Pfund - und die Eier schmecken einfach viel besser als die aus dem Supermarkt - das haben die Leute hier zu schaetzen gelernt. Und weil es dann immer so lecker nach frischem Brot riecht, haben halt immer mehr Leute nachgefragt und somit verkaufen wir nun auch Brot. 3 Pfund fuer ein 1 kg Brot und 5 Pfund fuer ein 2 kg Brot. Ist immer noch spottbillig - in London wuerde man fuer die Qualitaet locker das doppelte zahlen.

Aber die Kids sind stolz, dass "ihre" Brote so guten Absatz finden und die Kinder lernen was fuer's Leben. Und wenn wir mal ganz ordinaere deutsche Broetchen machen (wir machen aber die aus dem Osten), dann gibt es schonmal einen Wettbewerb, wer beidhaendig (also mit jeder Hand eins) die meisten Broetchen rollen kann...

Schwiegermama ist auch ganz begeistert - besonders von den Brezeln. Sie ist zur Zeit wieder da fuer eine Woche - nur so komme ich auch an einem Sonntagnachmittag zum schreiben. Und manchmal komme ich sogar zu mehr als 4 Stunden Schlaf pro Nacht! Sie ist eine echte Hilfe.
Ohne meine Schweigermutter haette ich das letzte Jahr und besonders die Anfangszeit nicht ueberstanden. Anfangs war sie fast jede 2. Woche da - inzwischen noch rund einmal im Monat. Und Sie ist eine fantastische Schwiegermama! Nicht so, wie meine erste - die den Begriff "boese alte Hexe" gepraegt hat. Nein, sie ist zwar einerseits eine typische spanische Mama und kuemmert sich um alles, kann andererseits aber auch den Mund halten und mischt sich nicht ein, wenn es nicht gewuenscht ist.

Nur die Kommunikation ist ein wenig schwierig, wenn sie da ist - allerdings nur fuer mich. Alle plappern dann munter auf spanisch und ich muss sehen, wo ich bleibe. Mein Spanisch ist nicht das allerbeste - und wenn ich auch noch viel verstehen, ist es dafuer aber umso schwieriger mit dem sprechen. Ich bekomm dann oft ein vorwurfsvolles "Papaaa" zu hoehren. Die haben's ja einfach, die koennen Englisch, Deutsch, Spanisch und Afrikaans perfekt.

Wednesday, March 2, 2016

Pestbeulen

Nichts mehr zu essen da - kein Bier mehr.

Nummer 1 und 3 und 4 haben die Pest. Schlimm. Die Beulen sind schon teilweise aufgeplatzt.

Nummer 6 und 7 haben die Schwindsucht. Nummer 6 kann nicht mehr laufen, Nummer 7 hat es noch nie gelernt - und wird es auch nicht mehr lernen.

Nummer 2 ist verletzt - grosse Wunde im Gesicht im Kampf um verschimmeltes Brot. Und abgemagert - wie alle. Und alle starren vor Schmutz. Hier waescht sich keiner. Nie.

Und Nummer 5? Keine Ahnung. Sieht nach Pocken aus - grassieren jetzt auch schon die Pocken?

Wir muessen trotzdem raus - nichts mehr zu essen. Ausserdem ist es nicht mehr auszuhalten in unserem "Heim": 3x5 Yards, kein Fenster, nur verschimmeltes Stroh zum schlafen. Und eine kleine Feuerstelle in der Ecke. Unser einziger Besitztum - und der wird massiv verteidigt - ist unser 2 Gallons Krug fuer das verwaesserte Bier.

Wasser ist hier in London nicht geniessbar - wer das trinkt, macht es keine 2 Tage mehr. Und so trinkt jeder - auch Kinder - Bier.

Ich bin noch gesund. Keine Ahnung warum.

Draussen schwirren Rauschwaden durch die Gassen, die Guelle fliesst im Rinnsal direkt an unserem Haus vorbei. Hier spielten die Kinder manchmal. Als Sie noch gesund waren.

Marodierende Gruppen streifen durch die Stadt - jeder hat Hunger. Jeder hat Durst. Nur der staerkste gewinnt.

Die Pestleichen werden schon lagen nicht mehr abtransportiert. Zumindest nicht hier, da wo die Armen wohnen. Und das ist ja fast ganz London.

1666 schreibt man. Hat der Priest zumindest gesagt. Das Jahr des Teufels, das Jahr der grossen Pest.

...

Ihr seht, ich schreibe wieder - munter und froehlich, dank der vielen tollen Kommentare - und Dank dem Anschiss von hobelevanc. Danke Euch allen!

Ich bin richtig gut gelaunt - es war ein sehr guter Morgen. Mit dicken Buttermilk-Pancakes. Strahlender Sonnenschein draussen - normalerweise wuerde ich jetzt ein wenig raus gehen, mein Bein trainieren. Aber ich glaube, ich bin Euch einen Post schuldig. Einen lustigen, schoenen Post, wie oben schon angefangen.

...

1666, das Jahr des Teufels - die grosse Pest in London.

Das war meine Vorgabe an Angel, als wir letztes Halloween unseren Familienausflug gemacht hatten.

Jaja, ist aus dem Zeitrahmen gefallen, der Post - aber ich hatte Lust darauf heute. Ausserdem habe ich den Post schon im Oktober versprochen.

Angel ist Maskenbildnerin fuer Film und Theater und war mir noch einen Gefallen schuldig. Und da meine Kids unbedingt zu Halloween was unternehmen wollten, dachte ich mir, ich fordere den Gefallen ein.

Hier wollten wir hin (wer sich in England auskennt, weiss, wo das ist - ganz bekannt, aber ich habe es aus ungewohnter Perspektive fotografiert):

Noch nicht erkannt? Jetzt aber:

Ja genau - dort wollten wir hin. Die haben eine ganze Woche Halloween-Event und jede Menge fuer Kids vorbereitet. auch ein Kostuem-Wettbewerb, aber das war klar, dass wir den nicht mitmachen - unfair den anderen gegenueber.

Angel kam schon morgens um 7 - ich hab komplettes englisches Fruehstueck versprochen.

Um 7 klingelt es also bei uns - und ich schau ganz verschlafen um mich. Keiner wach - kein Kind in meinem Bett, keiner quaengelt. Ich kann mich nicht mehr erinnern, wann ich in den letzten 10 Jahren bis um 7 Uhr morgens geschlafen habe. Aber ausgerechnet heute. Ich wollte fit sein fuer Angel - frisch geduscht, rasiert, deodoriert - von den 50 Jahren eben ein paar abschuetteln.

So steh ich also dann vor ihr an der Haustuer. Nur ein Handtuch um die Hueften (ich schlafe "frei"), verstrubbelte Haare, unrasiert und verschlafen.

Hat ja mal wieder prima geklappt. Angel lacht aus ganzem Herzen und kommt rein.

Ich mach nur die Kaffeemaschine an und geh erstmal ins Bad. Das zwischenzeitliche Chaos oben ignoriere ich - irgendwer wird sich schon um die Kids kuemmern.

Eine Viertelstunde spaeter - und jetzt perfekt frisch - komm ich nach oben und Angel versucht, dem Chaos Herr zu werden. Es bleibt aber beim Versuch. Ich schick sie wieder runter - sie soll sich einen Kaffee nehmen.

Wieder eine Viertelstunde spaeter sind wir alle unten und es wird Fruehstueck gemacht:
Heute haben wir Hunger und so gibt's erstmal 25 Eier in die Paellapfanne - das macht Nummer 2. Ich haue selber gemachte Wuerstchen und selbergeraeucherten Speck in die Pfanne. Nummer 1 ist fuer die Hash browns zustaendig (auch selber gemacht) und Nummer 3 macht die Bohnen (natuerlich selber gemacht - nach einen Rezept von Tom Kerridge - einfach nur genial, machen wir immer auf Vorrat). Nebenbei schnippele ich noch ein paar Pilze und hau die auch in die Pfanne.

30 Minuten spaeter geht's uns allen richtig gut - so ein gutes selber gemachtes englisches Fruehstueck toppt einfach alles. Nicht den Mist aus dem Supermarket oder den meisten Pubs - das ist meist eklig...

Angel hat einen grossen Koffer aus dem Theaterfundus mitgebracht und die Kids werden angezogen. Alte Lumpen, vor Dreck starrend. Selbst meine Kids, die einiges gewoehnt sind, schlucken erstmal schwer.

Wir machen also Geschichte lebendig. So waert Ihr damals rumgelaufen, vor ziemlich genau 350 Jahren. und Ihr haettet nicht die lange Unterwaesche drunter gehabt, die Daddy Euch heute spendiert, meint Angel. Angel weiss viel ueber englische Geschichte und erzaehlt waehrend dem Schminken von der damaligen Zeit.

Schlimm war das in London - unvorstellbar schlimm. Auch ich hab noch viel gelernt - insbesondere darueber, wie die Leute damals gehaust haben.

Die Kids bekommen erstmal eine Grundschicht Schmutz ins Gesicht und auf die Haende. Nie waschen - ein faszinierendes Konzept fuer die Kids. Ich winke ab - keine Chance!

Dann kommen die Pestbeulen, die Geschwuere, die Wunden. Am meisten fasziniert mich, wie Angel Nummer 6 und 7 schwindsuechtig macht. Trotz Schmutz blass wie der Tod, dunkle schwarze Ringe unter den Augen plus rote Raender. Ich bin kurz dafuer den Notarztwagen fuer Nummer 7 zu holen.

Die Kids schauen sich im Spiegel an - zuerst sind sie ernsthaft entsetzt. Darueber, wie schlimm es damals fuer die Menschen war. Dann sind sie begeistert ueber die Schminke. Nummer 1 und 2 bekommen noch Peruecken ueber. Kurze fransige Haare voller Asche und Dreck. Die anderen bekommen Muetzen auf.

Bin ich froh, dass wir entschieden haben, dass die Erwachsenen nicht mitmachen...

Also auf in den Bus und los geht's - Angel kommt auch mit. Den Spass laesst sie sich nicht entgehen, meint sie.

Und der Spass faengt schon auf dem Parkplatz an. Die Leute erschrecken regelrecht, wenn sie uns sehen. Und an der Kasse meint der aeltere Herr, dass er ja schon viel gesehen haette...

Zum Glueck ist prima Wetter und die Kids amuesieren sich praechtig. Der Weg zum Schloss ist toll - ein richtig schoener englischer Park und ueberall sind kleine Dinge, die die Kids machen koennen. Hauptsaechlich gruselige Dinge entdecken und Punkte sammeln fuer irgendein Spiel.

Ins Schloss selber gehen wir nicht, sondern weiter zu den Spielplaetzen, wo auch die grossen Halloween-Veranstaltungen stattfinden. Aber erstmal zum Spielplatz. Meine Kids lieben Spielplaetze und haben so ihre ganz eigene Art, wie sie einen Spielplatz "betreten".

Ich kenn das ja schon, aber Angel noch nicht - bin ja mal gespannt.

Und wir werden nicht enttauescht!. Nummer 1 schnappt sich den Kinderwagen, Nummer 2 zerrt Nummer 6 hinter sich her und alle stuermen schreiend auf den Spielplatz zu und in den Spielplatz rein.

Das ist an sich schon immer eine Show - heute aber, mit der Schminke und den Lumpen ist das der Hammer. Mit tun die anderen Kinder richtig leid - die entweder nur mit offenem Mund dastehen und kaum begreifen was passiert - oder die schreiend zu Mama rennen. Oje, das wird wieder die eine oder andere Diskussion geben...

Nicht das meine Kinder irgendwie die anderen Kinder belaestigen oder aergern - nein, sowas machen die nie, damit sind sie genug mit sich selber beschaeftigt. Aber die Wucht, mit der die 7 den Spielplatz einnehmen, ist schon faszinierend.

Natuerlich passiert wieder was - Nummer 1 ist zu uebermuetig und so kippt der Kinderwagen um und Nummer 7 purzelt raus in den Dreck. Volle 5 Sekunden absolute Stille, dann kraeht der Kleine los, aber wie.

Nummer 1 ist sehr schuldbewusst und betuttelt den Kleinen. "Niks gebeur" - also "nix passiert" ruft sie rueber - frag nicht, warum ausgerechnet in Africaans.

Spielplatz ist prima, da braucht man sich um die Kleinen nicht kuemmern. Wir gehen also ins Café nebenan - die haben hier sogar ein Café am Spielplatz. Angel und ich sitzen also da, trinken unseren Kaffee und schauen den Kids zu. Der Spielplatz ist deutlich leerer geworden - weiss gar nicht warum...

Spaeter gehen wir noch zu den anderen Veranstaltungen und schauen uns auch den Verkleidungswettbewerb an. Da haben sich einige wirklich Muehe gegeben und es sind tolle Kostueme dabei - wir nehmen trotzdem nicht teil. Wir haben Freude genug und warum sollen wir anderen die Freude verderben?

Dann gibt's erstmal Picknick - nur ein paar Brote und Salate und Saft. Aber das ist so schnell weg, das glaubt man nicht. Keine Chance, dass ich satt werde - aber es sei den Kids gegoennt.

Angel amuesiert sich praechtig und hier hat's angefangen mit uns. Dazu aber irgendwann mal mehr.

Es war ein schoener Tag und auf der Rueckfahrt schlafen fast alle.

Das war Halloween mit dem Rudel.

Sunday, February 28, 2016

Brief an die Trolls

Liebe Trolls,

Sie haben gewonnen, ich hoere auf mit dem Blog.

Ergaenzung vom 29.2.: Nein - ich hoere doch nicht auf. So viel positive Resonanz, ich war echt erstaunt! Und so viele haben gesagt, ich soll nicht aufgeben (Hab sogar einen boesen Anschiss bekommen...)! Also bald wieder mehr hier von Nummer 1 bis 7.

Ist es das, was Sie bezwecken? Nein - ich glaube nicht.

Ich denke, Trolle koennen ohne Blogs nicht leben - Sie sind die Parasiten des Internets und leben von der Schreibkunst der anderen.

Denn schreiben koennen Sie (also Sie alle Trolls aus meinem Blog) leider nicht so gut. Hier mal zwei Beispiele (Originalkopie):

"du spilst dich aber ganz schön auf mit deinen kindern. dnkst wohl du hast als einzigster leid im eben. mein alter die voze hat mich mit den 2 gören sitzen lassen das sind highneed kinder da kannst du mit deinen sieben einpacken. solzialamt und alles und du hast kohle zum abwinken. arschloch"

"Mann Alter glaubst du wirklich deine Kacke will jemand lesen? Ist doch aus den Fingern gesaugt lass es einfach bleiben. ich tu mir die Kacke schon ne ganze weile an aber ich ertrags nicht mehr"

Nein - sie, die Trolle, brauchen den Intellekt der anderen. Und den ersten Kommentar nehm ich einfach nicht ab. Wer solche Probleme hat, der schimpft nicht ueber die Probleme der anderen. Der schimpft ueber den Staat ueber den "Alten". High-Need-Kinder? Jedes Kind ist ein High-Need-Kind in meinen Augen - jedes Kind ist nur einfach anders als alle anderen Kinder.

Und da ich aufhoere mit meinem Blog, haben Sie leider doch verloren. Nichts mehr zum Aufregen - nichts spannendes mehr - weil dem zweiten Kommentator war es wohl doch nicht zu langweilig sich die Sache "eine ganze Weile" anzutun.

Verlierer! Ihr seid die Verlierer!

Aber leider ich auch. Weil: es hat sehr wehgetan. Nicht die beiden bloeden Kommentare oben. Aber es gab andere, die haben richtig schwer verletzt.

Und es hatte gutgetan, hier zu schreiben. Manchmal war es wirklich befreiend, es jemandem zu erzaehlen.

Wollen Sie das? Wollen Sie Menschen so starkt verletzten? Oder ist das eher unabsichtlich? Ein Kollateralschaden eben, um sich selber darzustellen als Richter ueber den Blog?

Denken! Einfach mal ernsthaft darueber nachdenken, was man macht.

Ja - Sie haben es bestimmt nicht einfach. Darf ich raten? Kaum oder keine sozialen Kontakte? Leben vom Sozialamt? Bude ist schon Monate nicht mehr aufgeraeumt? Geht auch schwer nach dem taeglichen Kater, der immer schlimmer wird vom billig Fusel. Lebenspartner? Fehlanzeige. Schon seit Jahren weggelaufen. Einsam und alleine? Scheisse, zugegeben. Aber kein Grund, andere Menschen zu verletzen. Hilfe suchen, dass ist angebracht. Und die gibt es in D zur genuege. Also einfach mal aufraffen. Bude aufraeumen, raus gehen, Alkohol reduzieren. Hilfe suchen.

Soweit dazu. Nun zu den vielen lieben Menschen, die auf meinem letzten Blogpost kommentiert haben und die vielen Mails, die ich privat erhalten haben.

Meinen allertiefsten und herzlichen Dank. Ich wusste ja gar nicht...

Sorry, ich bin nicht gross in Statistiken und habe es komplett unterschaetzt, wie viele Menschen inzwischen bei mir lesen. Und wie viele mir jetzt Bestaetigung und Anerkennung gegeben haben.

Ich weiss nicht, was ich weiter machen werde. Nummer 1 und 2 wissen ja, dass ich "was" ueber uns schreibe - selber lesen sie es nicht und ich soll auf "keinen Fall" etwas peinliches schreiben. Beide sind der Meinung ich solle mich nicht unterkriegen lassen und nicht aufhoeren.

Und hab ich nicht erst in einem Kommentar geschrieben, dass ich meine Kids so erziehe, dass sie ihren Mann/Frau stehen? Und ich gebe beim ersten Shitstorm auf?

Viele von Ihnen haben mich auch ermuntert weiterzumachen.

Ich weiss es aber ehrlich gesagt nicht. Ich lasse den Blog einmal offen und denke eine Weile darueber nach - waehrenddessen ich in mein schoenes neues Buch schreibe. Das geht uebrigens prima, weil schnell mal abends im Bett was geschrieben ist. Scheint aber was anderes als der Blog zu werden - was, werde ich sehen.

Sollte ich mich eventuell doch entscheiden, hier weiterzuschreiben wuerde ich mir zwei Dinge wuenschen.

1. And die Trolle: Muss es sein? Es tut wirklich oft sehr weh! Hoert bitte auf damit.
2. An die "stillen" Leser: Auch Eure Meinung interessiert mich! Schreibt doch auch hin und wieder mal, was Ihr ueber einen Blogpost oder ein Thema denkt. Das ist eine unglaubliche Motivation fuer den Schreiber (also zumindest fuer mich) und vielleicht ein Gegenpol, der es ermoeglicht, solche Shitstorms einigermassen heil zu ueberstehen...

Falls ich mich aber dagegen entscheide, hier wieder zu schreiben, wird der Blog irgendwann verschwinden. Nochmals vielen Dank an diejenigen, die es betrifft.